Linke, zeigt es dem Gauck!
Sehr schnell kam die Reaktion der Linkspartei zum Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck: “unwählbar”. So einfach sollte es sich eine Linke, die sich für souverän hält, nicht machen. Sie sollte ihn wählen. Aus Überzeugung und aus strategischen Gründen.
Keine Frage: Joachim Gauck ist für viele Linke ein harter Brocken. Seine Lebensgeschichte ist von der Diktatur-Erfahrung in der DDR geprägt, die Stasi-Aufarbeitung war nach der Wende seine Lebensaufgabe. Das führt auch nach meinem Eindruck dazu, dass er im Umgang mit der Linkspartei die Wirkung der SED-Wurzeln über- und die Lernprozesse der letzten 20 Jahre unterschätzt.
Aber, und das ist ein sehr großes Aber: Ich kenne Gauck ein bisschen, und ich sage allen Linken: Dieser Mann steht für nichts so sehr wie für die Freiheit der Benachteiligten. Seine “rote” Diktatur-Erfahrung hat ihn zwar, das sagt er selbst, zum “Antikommunisten” gemacht, aber sie hat ihn nie verleitet daran zu zweifeln, aus welchem unvergleichlichen Menschheitsverbrechen die DDR hervorging. Er verteidigt die DDR nicht – das, höre ich immer wieder, tut die Linkspartei auch nicht! -, er greift sie härtestmöglich an. Aber anders als manch westdeutscher Rechtsausleger hat er sich nie und nimmer zum Geschichts-Relativismus verleiten lassen. Er weiß, trotz persönlichen Leidens unter dem Stalinismus, um die Relationen. Da kann manch einer etwas lernen, und die Linke ist ja nicht zu Unrecht stolz auf jene, die in ihren Reihen bereits die Erfahrung haben, ihre Vor- und Feindbilder vergangener Tage infrage zu stellen.
Zweitens: Auch dies, das Infragestellen, kann Gauck. Ich habe selbst erlebt, wie er sich geradezu gequält hat, um die Perspektive von Menschen zu verstehen, die im Kalten Krieg ihre Aufgabe eher im Kampf gegen den Vietnamkrieg, die von der “freien Welt” geduldete und geförderte Ausbeutung der “Dritten Welt” und die Nato-Hochrüstung sahen. Er hat gelernt zu verstehen, dass dies nicht – jedenfalls nicht immer – mit einer Verharmlosung der diktatorischen Verhältnisse im “sozialistischen Lager” verbunden sein musste. Er hat, so glaube ich, auch verstanden, dass manch einer, der diesem Lager einst mit Überzeugung selbst angehörte, diese Verhältnisse im Nachhinein zu verurteilen gelernt hat, ohne dabei jede Kritik am Kapitalismus gleich aufzugeben. Er hat, denke ich, seinen vielleicht etwas “bürgerlichen” Freiheitsbegriff, also die unterentwickelte Aufmerksamkeit für die soziale Frage, zu korrigieren gelernt.
Was für eine Vorstellung – die Linkspartei erklärte sich mit diesen und anderen Argumenten bereit, die für sie sperrige, komplizierte, aber spannende Alternative zu einem aalglatten CDU-Karrieristen zu wählen, trotz Unterschieden in vielen Politikfeldern! Was für ein Coup gegen jene, die diese Partei noch immer für unbelehrbar halten! Was für eine starke Anregung für Gauck, seine Position zur Linkspartei zu überdenken und dabei vielleicht andere mitzunehmen.
Und (nicht) zuletzt: Was für ein starkes Signal an alle, die sich eine linke Regierungs-Perspektive wünschen für dieses Land! Ein starker, politisch unabhängiger Kopf, unterstützt von “Rot-Rot-Grün”! Wenn beispielsweise Gregor Gysi auch nur halbwegs der Stratege ist, als den viele ihn schätzen – es müsste ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen.


94 Kommentare, Kommentieren oder Ping
1. lunatir
Sehr guter Kommentar!
Ich teile ihre Einschätzung und hoffe das die Linke es sich nochmal überlegt.
Das Problem was ich allerdings habe liegt darin, daß die Linke auch so schon DDR-Bürgerrechtler bzw damalige Oppositionelle in ihren Reihen hat.
Auch Peter Sodann hätte die Medien zu einem Umdenken über die Linke animieren können.
Stattdessen wurde er trotz Stasihaft diffamiert und lächerlich gemacht.
DDR-Oppositionelle zählen eben nicht in der Linken, weshalb ich die Linke mit ihrer Ablehnung irgendwo auch verstehen kann.
Dennoch wäre es natürlich ein überaus wichtiger strategischer Zug, welcher aber wahrscheinlich auch wieder gegen die Linke umgedeutet werden würde.
Es gibt leider zu viele Beispiele davon.
04.06.10 - 14:59
2. Gerd Kramer
Die Linke stellt einen eigenen Kandidaten auf?
Das war zu erwarten. Solange es nicht darum geht, für unsere Demokratie Verantwortung zu übernehmen, weiß die Linke alles besser, hat tausend “Verbesserungsvorschläge” und erklärt überall was sie anders und vor allem besser machen würde, wenn …!
Geht es aber einmal darum, einen konkreten Beitrag zu leisten, fühlen sich die Damen und Herren plötzlich nicht in der Lage dazu.
Ich hätte erwartet, dass die Linke den Kandidaten gegen die unheilige schwarz-gelbe Allianz unterstützt, um Herrn Gauß wenigstens eine kleine Chance zu geben.
Die Linke hat sich wieder mal “selbst entlarvt”!
04.06.10 - 18:15
3. Werner Thiele-Schlesier
Wenn der ?PD -Spitze doch nur vor der Entscheidung die Linke gefragt hätte. So aber wurde aus dieser Entscheidung das, was es sein sollte, nämlich eine Provokation. Selbst wenn sich die Linke entscheiden würde, Gauck zu wählen, gäbe es mit Sicherheit viele Stimmen aus dieser meiner Partei, die diesem Kandidaten nicht ihre Stimme geben würden. Er hat zu oft und zu lange auf dem Fraktionsvorsitzenden herumgetrampelt, ohne wirkliche Beweise zu liefern. Er hat immer nur gemutmaßt. Richter haben ihm bescheinigt, seine Meinung frei äußern zu dürfen. Sind seine Mutmaßungen aber wirklich Meinungen gewesen oder waren es Tatsachenbehauptungen?
@ Gerd Kramer
Im Unterschied zu allen anderen Parteien weist die Linke aber auch Wege auf, wie aus der Misere herauszukommen ist. Die linken Parteien sind es immer, die den in den dreck gefahrenen karren herausziehen müssen und können. Im Gegensatz zu den Neolibs, die den karren immer weiter in den Dreck fahren bis nichts mehr geht.
04.06.10 - 18:36
4. hajo
ich hab’s schon mal als Leserzuschrift geschrieben:
Gauck ist ein endlich mal wieder akzeptabler Kandidat. Und er steht ohne Zweifel als authentisch da.
Mehr kann man erst einmal nicht erwarten!
Die Linken sollten mal über den – m. E. nicht vorhandenen – Schatten springen. es geht nicht über die alte DDR, sondern um die BRD!! sonst nichts!
Und wenn die Linken hinter diesem Staat steht, müssen sie diesen Kandidaten unterstützen
.. statt den Abschuss-Kandidaten der Frau Merkel!
04.06.10 - 18:48
5. E. Reuter
Die LINKE hat sich mit ihrem Aufheulen gegen den Kandidaten Gauck wieder mal als unverbesserliches Produkt der Diktatur geoutet.
Die Ent-Stalinisierung hat genau so wenig funktioniert wie die Ent-Nazifizierung.
Herr Hebel, Ihre Umdeutungsversuche werfen ein bezeichnendes Licht auf Ihr Verständnis von Demokratie.
04.06.10 - 20:28
6. dreas
@ Werner Thiele-Schlesier
Nach meiner Ansicht hat sich die Linke mit der sofortigen öffentlichen Stellungnahme “unwählbar” grandios disqualifiziert. Man hätte sich ja zumindest abwägend äußern und eine interne Diskussion in Aussicht stellen können. Hat man aber nicht. Stattdessen sieht es so aus, als ob man lieber der traditionsreichen Maxime folgt, dass die nächsten Nachbarn die ärgsten Feinde sind.
(Nebenbei: Wenn Sie als Mitglied der Linken Respekt und Solidarität seitens der SPD einfordern, ist es womöglich nicht sehr förderlich, die Partei in der Internetöffentlichkeit konsequent als “?PD” zu verhöhnen.)
@ E. Reuter
Sie haben weder die Motive noch die inhaltlichen Differenzen verstanden, die den aktuellen Konflikt zwischen SPD und der Linken ausmachen. Und dem Betreiber des Blogs für seine begründete Einschätzung der Partei “Die Linke” ein zweifelhaftes Demokratieverständnis zu unterstellen, sollten Sie sich lieber verkneifen.
04.06.10 - 20:58
7. Martin Busche
also wenn Joachim Gauck auch nur halbwegs so tiefsinnig ist, wie Herr Hebbel in beschreibt, hat er das in der Öffentlichkeit gut verborgen. Mir ist es eher als Kommunistenfresser in Erinnerung geblieben. Ich verstehe auch nicht, warum, wie im Kommentar gewünscht, die Linken Signale in Richtung SPD und Ökoliberal senden sollen. Damit das nochmal so eine Vera…wie in NRW wird? Das beste Signal der neuen Schwestern SPD und Ökoliberal wäre ein auch für Linke wählbarer Kandidat7Kandidatin gewesen. So ist zu befürchten, dass die nochmal einen Peter Sodann-Klon irgendwoher ziehen. Das muss ja auch nicht sein
04.06.10 - 22:28
8. sodalis
DIELINKEN müssen sich selbst treu bleiben und eine parteiunabhängige Persönlichkeit vorstellen – das haben sie bei der letzen Bundespräsidentenwahl immer gefordert.
Auch müssen sich DIELINKEN an niemanden annähern, das haben die Grüne damals auch nicht gemacht, die “Vorgängerchaoten”.(als Kompliment gemeint)
Allerdings sind DIELINKEN auf einem Weg zu einem Ziel, das sie zwar kennen, doch den Weg dahin noch am Diskutieren sind.
Derweil, bis man den eigenen Weg gefunden hat, könnten sie ab und an die ehemaligen Wegweisschilder von der SPD ausleihen, wenn auch “veraltet” und nicht mehr benutzt von der SPD.
Besser mal so handeln, weil Zeit im Verzug ist, als einen groben Fehler machen.
Dem Gauck würden die Stimmen der DIELINKEN nützen, und ausser Gauck sehe ich auch niemand würdigeren, zur Zeit, für das höchste Staatsamt, als ihn. Es wäre hochachtenswert, wenn DIELINKEN sich auch für Gauch aussprächen. Das zeigte ihre Entscheidung, den friedlichen Weg des demokratischen Sozialismus, wie es Lafonteine ausgerufen hat, bei seinem Abschied.
Mir persönlich erscheint Frau Jutta Limbach geeignet zu sein, aber sie will/kann wohl nicht.
Was mich für Gauck überzeugt ist, dass er sich nicht hat korrumpieren lassen, als Verwalter der Stasiakten, von keiner Seite. Das macht es wohl aus, dass er in allen Parteien und unter dem Volk respektiert wird und hohes Ansehen geniesst.
Die gegen ihn sind, die werden wohl ihre persönlichen Gründe haben.
Er mit seiner Amtsführung gezeigt, dass er gegenüber jederman gerecht sei, zum Wohle des Volkes seine Pflicht erfüllen würde, Schaden von ihm wenden, ….
Könnte man das von einem Berufs-Parteipolitiker auch so erwarten?
Eidesformel des Bundespräsidenten:
„Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe.)“
“Gerechtigkeit gegenüber jedermann”, vereint sich das mit Parteidenken?
“Pflichten gewissenhaft erfüllen”, wer hat denn von den Politikern heute noch ein Gewissen?
05.06.10 - 11:23
9. lunatir
@ E. Reuter
Wie kann man eine Nichtunterstützung Gaucks als “unverbesserlich diktatorisch” einstufen, das ist doch mehr als lächerlich.
Es wäre natürlich strategisch äußerst geschickt Gauck zu wählen.
Dennoch versteh ich die Linke wenn sie es nicht tut.
Weder die Kanzlerin, noch SPD/Grüne halten es für nötig zusammen mit Allen einen Kandidaten zu suchen, was die Linke begrüßt hätte.
Es muß eben immer ausgegrenzt werden.
Und deine “Entstalinisierung” ist überhaupt nicht vergleichbar mit der von außen “aufgezwungenen Entnazifizierung”.
Während alte Nazis in die höchsten Ämter kamen und ein Filbinger sogar noch Köhler mitwählen durfte, durfte ein großartiger Mann wie Lothar Bisky noch nicht mal Vize-Bundestagspräsident werden.
Deine “Entstalinisierung” wurde übrigens spätestens seit Dezember 89 von den wenigen übrigen Mitgliedern der PDS selbst betrieben, nämlich als sie erstmals überhaupt frei entscheiden konnten und das Politbüro entlassen haben.
Die Rede des Herrn Schuman 89 sollte man doch kennen, wenn sowas auch medial nicht gewollt ist.
05.06.10 - 14:49
10. E. Reuter
@lunatir
Gauck hatte das Ziel, Stasi-Tätigkeiten derer aufzudecken, die sich nach der Wiedervereinigung in Gesamtdeutschland in Schlüsselpositionen mogeln wollten – und wo er suchen durfte (in Stolpes Brandenburg nicht), hat er auch reichlich gefunden.
Dass ihm aus DER LINKE noch so viel Feindschaft entgegenschlägt, ist ein deutliches Indiz dafür, wieviel nicht aufgeklärt wurde.
Da Hebel kein anderes Bewertungskriterium für politische Vorgänge kennt als den Nutzen der SPD, kann ich seinen Beitrag gut nachvollziehen – und aus dem gleichen Grund halte ich ihn auch für bedenklich: Linke Mehrheiten um jeden Preis sind kein Wert an sich.
05.06.10 - 16:39
11. Horst Schmidt
In der Tat, wir brauchen die Zusammenlegung von Bundesprasidialamt und der “Gauck-Behörde”. Solch betriebswirtschaftlich gedachtes und durchgesetztes Handeln zeigt eindeutig, hier ist Sparpotential ungeheueren Ausmasses zu erwarten.
Um diese Krise des Kapitalismus zu bewältigen, müssen wir unbedingt die schändlichen Taten der – ach ja, da war doch was, die NAZI-ZEIT – der Folgen dieser Zeit heute und morgen und übermorgen und überübermorgen aufarbeiten. Von höchster Stelle, versteht sich.
Hätten Sie mich vor 10-12 Jahren gefragt, ja Joachim Gauck wäre einer gewesen. Aber als Putzteufel der einseitig gesichteten Vergangenheit sollte er sich und er uns zu schade sein.
Stephan Hebel wir graust es!
05.06.10 - 17:11
12. Hamburger
Habe ich das jetzt richtig mitbekommen, dass es Gauck schwerfiel zu verstehen, dass manch ein Westdeutscher mehr gegen den Vietnamkrieg protestierte als gegen die DDR – frei nach dem Motto jeder an der Mauer erschossene Deutsche zählt so viel wie 10.000 tote oder mit Missbildungen geborene Vietnamesen? Und setzt der Autor des Artikels tatsächlich Stalinismus und DDR-Diktatur gleich, als habe der Stalinismus in der DDR bis 1990 bestanden? Ich hätte nicht in der DDR wohnen wollen, aber noch viel weniger in Vietnam zu Zeiten des Vietnamkrieges. Wäre es Gauck lieber gewesen, die NATO hätte die DDR und die Sowjetunion in der Rolle Nordvietnams und Polen und die Tschechoslowakei quasi in den Rollen von Laos und Kambodscha bombardiert?
Und zum Kandidaten Gauck: Wenn er nicht zur Schwächung Merkels bzw. ihrer Regierung UND zur Abgrenzug von den Linken aufgestellt wurde, dann haben SPD und Grüne strategisch etwas falsch gemacht. Insofern outet sich der Autor des Artikels als Anhänger von SPD und Grünen oder zumindest ihrer Strategie und sein Aufruf an die Linke muss in diesem Zusammenhang verstanden werden.
05.06.10 - 17:22
13. Werner Thiele-Schlesier
@ 6. dreas
Seit mehr als einem Jahrzehnt sind die Sozialdemokraten dabei, sich den Neolibs zu unterwerfen. Und da soll ich – als ehemaliges Mitglied dieser Partei – denen noch immer das sozialdemokratische Mäntelchen glauben? Ich sage mit diesem Fragezeichen nur, wo das Soziale bei den Parteimitgliedern geblieben ist. Zur Sozialdemokratie gehört aber auch, dass sie sich inzwischen enschlossen haben, sich an 2 Angriffskriegen zu beteiligen. Ihre Forderung, die Linke müsse sich einem Vorschlag sofort aufgeschlossen gegenüber zeigen, zeigt IMHO Ihre Unkenntnis der Funktion von Parteien. Da kungeln 2 Parteien ihren Kandidaten aus, sind aber nicht bereit, an dieser Kungelrunde die Linke teilnehmen zu lassen. Das zeugt nicht gerade davon, dass die Linke gleichberechtigt über den Kandidaten mitbestimmen sollte, sondern dass ihnen gesagt wurde: Vogel friss oder stirb. Der Kandidat selber ist durchaus kritisch zu sehen, hat er doch den Fraktionsvorsitzenden der Linken immer kurz vor Wahlen beschuldigt ein IM der Stasi gewesen zu sein. Vom Gericht hat er bescheinigt bekommen, seine Meinung frei geäußert zu haben. Das darf er durchaus, brauchte er doch mit dieser Urteilsbegründung nicht Butter bei die Fische zu tun – sprich den Wahrheitsgehalt seiner Behauptung nachzuweisen. Nur, als Leiter dieser Behörde musste es ihm möglich sein, seine Behauptungen mit Fakten zu unterlegen. Medien, die das gleiche behaupteten, wurden immer dazu verurteilt, solche Behauptungen nicht weiter zu veröffentlichen. Und jetzt fordert die Öffentlichkeit, gerade diesen Herrn Gauck zu wählen? Aber nehmen wir mal an, die Parteioberen würden eine Empfehlung geben, Gauck zu wählen, wem wäre dann denn geholfen? In der Wahlkabine wird es jede Menge Linke geben, die diesem Kandidaten die Stimme verweigern. Es ist also einzig auf die Provokation der Linke bei der Benennung des Kandidaten abgezielt worden. Außerdem: wer sagt Ihnen denn, ob es nicht aus dem Lager der Wahlleute der Linken nicht doch den einen oder die andere gibt, die Gauck wählen? Sie wissen doch selber, dass die Schwarz/Gelben eine eigene Mehrheit haben. Rufen sie doch lieber die bürgerlichen auf, Gauck zu wählen.
05.06.10 - 19:51
14. dreas
@13. Werner Thiele-Schlesier
Ich habe mich einige Jahre selbst in einem radikal linken Umfeld bewegt. Das Herz, das links sitzt, habe ich noch, der forcierten Radikalität kann ich aber nichts mehr abgewinnen. Darum empfinde ich die mit der Bezeichnung “?PD” ausgedrückte plakative und globale Herabwürdigung als unangemessen und für mich als Leser enervierend. Genauso wie damals die Schreibweise “DDR” in der Springer-Presse. Natürlich können und sollen Sie immer so schreiben, wie Sie es für richtig und angemessen halten. Was aber letztlich zählt, ist die Wirkung beim Adressaten. Damit von meiner Seite genug zu diesem Thema.
Ich hatte übrigens von der Linken nichts “gefordert”, sondern augedrückt, dass sich die Parteispitze mit einer abwägenden Stellungnahme meiner Ansicht nach besser verhalten hätte. Den Vorwurf an mich einer fehlenden Kenntnis der Funktionsweise von Parteien verstehe ich nicht. Soll denn die Willensbildung bei Parteien nach dem Prinzip des Pawlowschen Hundes erfolgen?
Wenn Sie schreiben, dass “einzig auf die Provokation der Linke bei der Benennung des Kandidaten abgezielt worden” sei, spricht daraus mehr die enttäuschte Beziehung zur früheren Partei als eine nüchterne politische Analyse. Primäres Ziel bei der Präsentation des Kandidaten Gauck (den ja als erste die Grünen vorgeschlagen haben) war und ist die Verunsicherung des schwarz-gelben Lagers, die Herrn Gauck früher ja selber gerne auf den Schild gehoben hätten. Und das hat wohl auch schon ganz gut geklappt. Dass man dabei die “Schluckbeschwerden” der Linken gerne mitgenommen hat, sollte nach den Parolen des NRW-Wahlkampfs nicht wirklich verwundern. Zudem: Es gäbe keine sicherere Garantie für einen festen schwarz-gelben Reihenschluss in der Bundesversammlung als einen Gegenkandidaten, der eindeutig in einem rot-rot-grünen Lager verortet ist.
06.06.10 - 00:04
15. Roland Gerls
Es ist zu hoffen, dass die LINKE zu einer anderen Meinung kommt, damit wir alle ein Nicht-CDU-Staatsoberhaupt bekommen, der von vielen Bürger|Innen anerkannt ist und eigene zukunftsfördernde Sichten hat.
Auch wichtig wäre Herr Gauck für die östlichen Bundesbürger|Innen, damit sie sich besser im Staat vertreten fühlen.
06.06.10 - 08:08
16. Georg Rimpler
Kaum vorstellbar, daß die LINKE den früheren Großinquisitor des Ostens (mit)wählt. Und das sage ich als einer, der der LINKEN sehr fernsteht.
06.06.10 - 08:13
17. Werner Thiele-Schlesier
@ 14. dreas
Jetzt muss ich Sie aber doch fragen, für was denn das “S” im Namen der SPD steht? Ich kann den angenommenen Zusammenhang mit der realen Politik gerade im Sozialen nicht mehr erkennen. Das bezeugen mir auch Sozialdemokraten vor Ort, mit denen ich ein gutes persönliches Verhältnis pflege. Die anderen Sozialdemokraten hier im Wendland sind Schröderianer und stehen für Sozialabbau, Krieg und Abbau von Grundrechten., also hinter der Politik, die Schröder gemacht hat und die Steinmeier fortsetzt. An deren Politik ist necht zu erkennen, dass diese den Bedrängten gelten muss sondern denen, die uns in die Krise reingeritten haben. Es besteht also durchaus zwischen großen Teilen der SPD und der Linken Konsens, dass sich bei der Umverteilung des Reichtums in dieser Gesellschaft etwas zugunsten der wirklich Armen andern muss, soll diese Gesellschaft nicht in einer Diktatur enden. Ich werde also die Schreibweise so beibehalten, wie ich sie für richtig erachte. Die ?PD jedenfalls ist schon lange nicht mehr die Partei des sog. “kleinen Mannes”. Im Sozialen wurde die Rente teilweise privatisiert. Das mit der Begründung des Generationenkonflikts. Den aber hat die ?PD doch erst mit der Entscheidung die Rente zu privatisieren als diskussionswürdig in die Debatte eingebracht. Um es mal drastischer auszudrücken: Diejenigen, die arbeiten, müssen immer das erzeugen, was diejenigen benötigen, die noch nicht arbeiten bzw nicht mehr arbeiten können. Wenn Sie sich aber nun das Verhältnis derjenigen, die heute arbeiten zu denjenigen die heute nicht arbeiten anschauen, muss Ihnen auffallen, dass in den 50er und 60er Jahren des vegangenen Jahrhunderts das Verhältnis beider Gruppen fast gleich war. Einzig die Lebensverhältnisse der Menschen haben sich geändert. Für den Einzelnen mag das von Vorteil gewesen sein. Für die Gesellschaft bedeutete es eine gewaltige Umverteilung von unten nach oben. Das Ergebnis, die steigende Armut, soll möglichst nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig fand in den letzten Jahren eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen statt, die zur Folge hatte, dass der Ingenieur z.B. jeden angebotenen Arbeitsplatz annehmen muss. Menschenwürde sieht anders aus. Statt die Arbeitszeit zu verkürzen – dass ist ja doch wohl der Sinn von Automatisierung – wurde einerseits wg der Schwäche der Gewerkschaften die Arbeitszeiten verlängert und andererseits wurde die Freizeit massiv verlängert. Aber auch hier nicht für alle sondern für einige Millionen Menschen auf 100 %. Ich habe an keiner Stelle in der Politik sowohl bei Rot/Grün als auch Schwarz/Rot erkannt, dass sich da was zum Besseren ändern würde. Im Gegenteil unter Schwarz/Rot wurde die Krankenversicherung einseitig zu Lasten der Beschäftigten geändert. Die kleine Kopfpauschale war der Eintritt in die Privatisierung der GKV. Es war für die jetzige Koalition doch nur logisch, diese Vorlage zu nutzen, einen weiteren Schritt in Richtung Kopfpauschale zu gehen.
Zu Gauck habe ich alles geschrieben. Was die Linke – und damit beschreibe ich durchaus auch die Diskussion innerhalb der Linken mit diesem Kandidaten -noch machen könnte: Sie könnte diesen Kandidaten ja mal in die Fraktion zur Befragung einladen. Aber auch dann wird es Wahlleute geben, die diesen Kandidaten nicht wählen werden können. In der Wahlkabine jedenfalls wird entschieden, wo das Kreuzchen gemacht wird und nicht in der Fraktion. Mensch kann ja durchaus weder den einen noch den anderen Kandidaten ankreuzen. Ich würde auch darauf bestehen, dass es keinen Fraktionszwang gibt. Noch etwas: Gauck ist der Auserwählte Kohls auf dem Posten seiner Behörde gewesen. Als Behördenleiter hat er seinerzeit dieses Amt ganz im Sinne Kohls verwaltet und sich politisch nicht neutral verhalten. Glauben Sie, dass er jetzt bei Frau Merkel anders handeln wird? Ich jedenfalls habe wirkliche Zweifel an seiner parteipolitischen Neutralität. Den Beweis für seine Neutralität hat er als Behördenleiter leider nicht erbracht.
@ 15. Roland Gerls
Realitäten wahzunehmen ist sehr schwer. Die schwarz-gelbe Mehrheit besteht aus 21 Mandaten vor den übrigen Parteien. Dass sich mehr als10 Mandatsträger der Schwarz/Gelben gegen einen Kandidaten Wulff aussprechen, ist fern jeder Realität. Um Gauck dann noch durchzubringen muss auf die Stimmen der NPD zurückgegriffen werden. Ich nehme nicht an, dass herr Gauck und die ?PD sich in diese Falle begeben wollen.
06.06.10 - 09:21
18. Stephan Hebel
Auf einige Beitrage (danken darf ich wie immer für alle) möchte ich doch kurz eingehen, der Einfachheit halber in der Reihenfolge ihres Erscheinens:
@Werner Thiele-Schlesier #3:
Imm weider spennand, wie Sie sich den Schwierigkeiten der Debatte stellen, so eindeutig Sie auch auf der Seite der Linken stehen. Allerdings halte ich Ihre anmerkung, Rot-Grün hätte die Linke vorher fragen sollen, für noch unrealistischer als meinen zugegeben gewagten Traum von einem Joachim Gauck als strategischem Türöffner für linke Mehrheiten. Sie wissen so gut wie ich, dass die Linkspartei zu jedem Zeitpunkt Nein zu Gauck gesagt hätte, unter anderem, weil sie – spiegelbildlich passend zum bedauerlichen Verhalten der SPD – immer wieder Chancen verspielt, um am Ende statt Gestaltungsmacht lieber recht gehabt zu haben. Nebenbei: Wer das für die SPD (was ich regelmäßig tue) feststellt, aber eben auch für die Linkspartei, ist kein Parteigänger der SPD, liebe “Hebel-vertritt-SPD-Interessen”-Theoretiker (#10 u.a.), sondern hat vielleicht nur das eine oder andere Brett weniger vor dem Kopf als die fixen Parteigänger der einen oder anderen Seite.
@E.Reuter #% und DREAS #6: Bei aller Kritik an der Linkspartei: ein “unverbesserliches Produkt der Diktatur”, liebe(r) E.Reuter, ist sie für mich gerade nicht. Ich finde, gerade ein enttwickeltes “Demokrativerständnis” legt es zwingend nahe, den Ausgangspunkt dieser entwicklung zu betrachten. Das sieht man einerseits den, wie auch ich finde, Geburtsfehler, die Partei nicht vollkommen neu gegründet zu haben. Aber gemessen an 1989/90 ist meines Erachtens die große Mehrheit der (verbliebenen) Mitglieder einen seher weiten Weg gegangen. Einen Weg, den mancher der Kritiker unter der Bedingung entsprechender Umwälzungen womöglich gar nicht zu gehen in der Lage gewesen wäre.
Dass Gauck die Linkspartei wesentlich härter beurteilt als ich, weiß ich. Ich verstehe aber nicht, warum nicht gerade ein souveräner Kopf wie der von Gauck besonders angegriffene Gysi sagt: Ein kluger Mann, wie sie selten sind in der Politik. ist gerade im überparteilichen Amt des Bundespräsidenten gut aufgehoben, in dem er als Kandidat auch der Linken einen strategischen Nutzen hätte und zugleich qua Amt seinen Rückblick auf die DDR-Geschichte noch einmal überprüfen könnte. Übrigens war auch ich immer der Meinung, dass Gauck die Sache Gysi, die ich seinerzeit mit beiden Kontrahenten in extenso besprochen und recherchiert habe, in unangemessener Weise behandelt hat. Gysis Rolle war nach meiner Überzeugung nicht wegen der IM-Geschichten problematisch (die in der Tat ohne sein Wissen in den Akten gelandet sein könnten). Zu problematisieren wäre vielmehr die Frage, ob sein Ein-und Ausgehen im ZK der SED wirklich, wie er sagt und die Mandanten seinerzeit glaubten, nur der Sache vieler dissidenten diente oder doch für allzu große Regime-Nähe spricht. Ich kann und will das nicht entscheiden. Ich weiß allerdings, dass diese Debatte durch Gaucks IM-Fixierung eher behindert als gefördert worden ist. Danke jedenfalls, DREAS, dass Sie darauf hingewiesen haben, dass es doch sehr gewagt ist, angesichts meiner Ausführungen gleich mein Demokratieverständnis in Frage zu stellen.
@Horst Schmidt #11: Der Vorwurf an Gauck, er sehe die Vergangenheit “einseitig” (was nichts anderes heißt als: vernachlässige die Nazi-Vergangenheit), ist – sehr vorsichtig ausgedrückt – gewagt. Wer sich für den Mann je wirklich interessiert hat, kann ihm anständigerweise Antifaschismus aus tiefer Überzeugung nicht absprechen.
@Roland Gerls #15: Danke, so sehe ich es auch: Schon die Tatsache eines “Nicht-CDU-Staatsoberhaupts” wäre an sich ein Gewinn. Selbst wenn, wie Thiele-Schlesier (#17) vorrechnet, die Chancen nicht sehr gut stehen – so defensiv sollte man doch nicht sein, ein Projekt wegen schwieriger Aussichten gleich abzuschreiben, schon gar nicht als Linker welcher Partei-Sympathie auch immer! Und selbst wenn Gauck verlöre: Politisch würde die gemeinsame Kandidatur ihre Wirkung dennoch entfalten als Beleg, dass die mehr oder weniger links orientierten Parteien dieses Landes zur Gemeinsamkeit in der Lage sind – und nicht nur zur Abgrenzung, wie sie auch hier von manchen mit so großer Hingabe gepflegt wird.
06.06.10 - 13:03
19. Werner Thiele-Schlesier
Hallo Stephan,
ich fände es unerträglich, wenn nur mit Hilfe der NPD Gauck Präsident würde. Dazu können und dürfen Linke nun wirklich niicht ihre Stimme abgeben. Aber dieses Problem hätte jeder andere Kandidat von Rot/Rot/Grün gehabt. Nebenbei bemerkt, habe ich Gesine und Klaus angeschrieben, sie sollten doch Gauck in die Fraktion einladen, um zu sehen, wie er sich ihnen gegenüber benimmt.
06.06.10 - 13:58
20. Stephan Hebel
Gute Idee, der Brief an Lötzsch und Ernst! Kompliment!
06.06.10 - 14:05
21. Werner Thiele-Schlesier
Ich bin ja nur EPM. Ob die auf mich hören?
06.06.10 - 14:44
22. jayne-ann igel
Der “Ball” liegt nicht bei der Linken, sondern in diesem Falle bei SPD und Grünen – sie hätten ja gemeinsam mit der Linken nach einen geeigneten Kandidaten suchen können, statt sie mit ihrem dann einfach zu konfrontieren. Ich finde es nachvollziehbar, wenn die Linke sich entscheidet, Gauck nicht zu unterstützen. Aber neben diesem Grund, einem zur politischen Kultur im Widerspruch stehenden unfairen Umgangs mit dem politischen Mitbewerber seitens SPD/Grüne, sehe ich in der Person Joachim Gaucks weitere Gründe, die ihn für mich nicht als Alternative zu Wulff erscheinen lassen, lesenswert finde ich in diesem Zusammenhang auch einen Artikel von Lutz Herden im Freitag.
06.06.10 - 18:57
23. dreas
@17 Werner Thiele-Schlesier
Zum einen finde ich es, pardon, tatsächlich vermessen, einer ganzen Partei mit all ihren Mitgliedern in all ihren Gliederungen den Namen, die Selbstverortung und den Anspruch als “sozialdemokratisch” gänzlich aberkennen zu wollen. Zum anderen nervt es mich als Leser, wenn mir ein Schreiber mit solchen, nochmal pardon, “Sperenzchen” seine Werturteile aufnötigt. Entschuldigung, wenn das jetzt wegen der Kürze womöglich etwas grob herüberkommt – eine Zweitdiskussion, “wie sozialdemokratisch ist die SPD” sollten wir aber hier und jetzt nicht eröffnen.
Dass innerhalb der Linken jetzt anscheinend doch konstruktiv über das Votum zu Gauck diskutiert wird, freut zu lesen. Dann hätte man das doch gleich von Anfang an so kommunizieren können?
Gauck vorzuhalten, er habe die Stasi-Unterlagenbehörde “ganz im Sinne Kohls verwaltet”, halte ich allerdings wiederum für unangemessen. Die Auseinandersetzung mit der Stasi war einer der Kristallisationspunkte und somit ist auch die Aufarbeitung der Stasi-Folgen in der Gesellschaft ein originäres Projekt der DDR-Bürgerrechtsbewegung.
Zur Wahlarithmetik – eine Wahl, die durch die NPD-Stimmen entschieden würde, wäre in der Tat problematisch. Allerdings ist mir völlig unklar, wohin die NPD-Stimmen wohl gehen werden (sie könnten ja auch Wulff oder ungültig wählen oder einen eigenen Kandidaten aufstellen). Für pervers und fatal hielte ich es insofern, wenn Delegierte in der Bundesversammlung ihr eigenes Votum an dem vermuteten Stimmverhalten der NPD ausrichteten, denn daraus würde einzig und allein die NPD Honig saugen können. Man wird sich sicherlich vorher zusammen mit dem Kandidaten Gedanken machen können, was zu tun wäre, wenn es am Ende der Wahl nach einer entscheidenden Rolle der NPD-Stimmen aussähe.
07.06.10 - 07:30
24. Werner Thiele-Schlesier
@ 23. dreas
Nicht ich habe die Diskussion um die Frage “wie sozialdemokratisch ist die ?PD?” Diese Frage haben die Regierigen unter Schröder und Folgende doch entschieden. Und das sogar gegen den Willen großer Teile dieser Partei.
Nun glauben Sie bitte nicht, wenn ich auch hier schreibe, dass ich an die Vorsitzende und den Vorsitzenden geschrieben habe, es sei zu erwägen, Gauck in die Fraktion einzuladen, dass ich an der Ablehnung dieses Kandidaten Zweifel habe. Die Rot/Grünen haben diesen Kandidaten doch genau aus demselben Grund präsentiert, den Stephan jetzt als Grund für eigene Vorstellungen einer Nominierung für das Amt durch die Linken ablehnt. Es war und ist ein Affront gegen die Linke seitens der Rot/Grünen, wie es eine Hinterlist war, in NRW die Sondierungsgespräche mit der Linken platzen zu lassen. Und so ist diese Auswahl auch angekommen.
Bisher war ich davon ausgegangen, dass es einen Vorsprung der Delegiertenmandate für schwarz/gelb von 21 gäbe. Gibt es aber nicht so ohne weiteres, weil da noch die Wählergemeinschaft aus Bayern mitmischt und fatalerweise auch die NPD aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Sollte Wulff im ersten Wahlgang wg Verweigerern von der Tigerentenseite nicht gewählt werden, wird er wg der NPD mit großer Wahrscheinlichkeit im 2. Wahlgang gewählt. Wenn es einen dritten Wahlgang gibt, werden eben genau die Stimmen von den Neonazis die Wahl entscheiden. Es wird ja nur noch die relative Mehrheit benötigt. Dann steht am nächsten Morgen in den Gazetten: Präsident mit Hilfe der Stimmen der NPD gewählt. Auch wenn niemand sagen kann, wen die gewählt haben. Vor dem dritten Wahlgang aber kann durchaus noch ein weiterer Kandidat aus dem Hut gezaubert werden, der dann für alle Demokraten wählbar ist. Allerdings sehe ich niemanden, der die Gräben, die inzwischen von ?DU, ?DP, ?PD, Grünen und eventuell der Linken gegraben wurden, zuschütten könnte.
Ich bleibe also bei meiner Einschätzung, dass Wulff im ersten Wahlgang gewählt wird und Gauck nach der Wahl das ist, was er heute auch ist, nämlich ein einfacher Bundesbürger.
07.06.10 - 09:14
25. Werner Thiele-Schlesier
PS Gauck ist lt Wikipedia: Er ist Mitglied des Verbandes Atlantik-Brücke und Mitglied im Senat der von Helmut Schmidt, Kurt Biedenkopf u. a. gegründeten Deutschen Nationalstiftung.
Bei Wikipedia findet mensch unter diesem Namen u.a. folgende Vorstandmitglieder:
* Vorsitzender: Friedrich Merz (Rechtsanwalt, CDU)[6]
* Kai Diekmann (Chefredakteur und Herausgeber der Bild-Zeitung)
* Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen (FDP)
Die Kuratoriumsmitglieder können dort auch gefunden werden.
07.06.10 - 10:43
26. sodalis
@17. Werner Thiele-Schlesier
Das ist sehr gut beschrieben.
Das “S” der SPD ist nur noch ein Placebo, ein Pseudo – S.
Diese Bezeichnung ?PD würde jedoch Hoffnung auf Besserung geben.
Solange Steinmeier, ihm folgend alle anderen SPD-Politiker, den Sozialweg mit dem Unionsweg verwechselt, solange wird Monsterüberfütterung und soziale Marktwirtschaftabbau betrieben. Überfütterung führt zum Dickwerden bis zum Erbrechen, siehe Finanzkrise.
Aber das ist nicht das Thema hier.
Zum Thema, verstehe ich nicht, wie auch Gauck anmahnte, nämlich das Parteiengeschacher. Zuerst, als Gauck das ansprach, dachte ich, er meine damit die SchwarzGelben.
Doch wenn ich das hier im Blog lese, dann verstehe ich ihn erst richtig.
Von wem Gauck nun letzendlich die Stimmen entscheidungserheblich bekäme, das ist doch egal.
Die Wahl des Bundespräsienten ist ein demokratischer Akt und alle Aktuere sind Demokraten.
Den Anhängern einer Partei ihre demokratischen Menschenrechte absprechen, erinnert mich an evangelische dürfen keine katholischen heiraten.
Das ist antidemokratische Ausgrenzung und Feindschaft schürend.
Einen Makel dem möglichen Wahlsieg Gaucks anheften, weil er vielleicht eine Stimmenmehrheit durch eine ungeliebte Bevölkerungsgruppe erreichen könnte, halte ich für abartig Kindergartenreif.
Wenn man nur, permanent stur, parteipolitisch denkt, ohne regelmässige Selbstkontrolle seines eigenen Standpunktes und vergisst, den Standpunkt der Partei ab und an zu kontrollieren, der übersieht schnell mal, dass man am vergangenen, ehemaligen Geist der Partei hängt, obwohl der schon längst ein völlig anderer geworden ist. Man schwört auf Parteiziele, die schon längst andere geworden sind, ohne es zu merken/wahrzunehmen. Treue in der Demokratie ist immer zu überprüfen, wenn der Herrscher gewechselt hat.
Nirgends kann man das so nachvollziehen, wie an der SPD.
Brandt’s SPD hätte keine Sekunde gezögert, mit DIELINKEN zu kommunizieren. Allerdings erübrigt sich die Diskussion darüber, denn eine Brandt-SPD hätte eine DIELINKE erst garnicht nötig gemacht.
Alle Menschen in einer Demokratie sind Demokraten, solange sie sich an Wahlen beteiligen, auch wenn deren Stimmenwahl einem auch nicht schmeckt.
Nur wer sich nicht beteiligt, aus taktischen Gründen, dessen demokratisches Verhalten ist bedenkenswert.
Wahlenthaltung ist ein Freiheitsrecht, jedoch, auf die Gründe kommt es an. Taktik oder beleidigt sein, ist kein demokratischer Grund, sondern eine persönliche, unreife Animosität.
07.06.10 - 10:48
27. Werner Thiele-Schlesier
Der Freitag berichtet unter folgendem Link, wie es um die Neutralität Gaucks bestellt ist:
http://www.freitag.de/politik/1022-kalter-krieg-wird-praesidiabel
07.06.10 - 11:04
28. dreas
Lieber Werner Thiele-Schlesier, das wird jetzt aber wirklich unübersichtlich. Eine Mehrheit in der SPD war oder ist ist “noch sozialdemokratisch”, aber die Partei als Ganzes verdient dieses “Prädikat” nicht, weil frühere Vorsitzende eine nicht sozialdemokratische Politik betrieben haben? Seit wann sind denn in der Politik Fragen ein für alle Mal “entschieden”? Belassen wir’s einfach dabei, dass Sie Ihre “Fragezeichen-Nomenklatur” berechtigt finden und ich sie als nicht zielführend und nervig ansehe.
Sicherlich ist das Szenario, dass Wulff im ersten Wahlgang gewählt wird, am wahrscheinlichsten. Dennoch erwarte ich von allen (d.h. allen demokratischen) Delegierten in der Bundesversammlung, dass sie mit ihrer Stimmabgabe ihre tatsächliche Haltung zu den Kandidaten dokumentieren. In dieser Phase sollte die NPD keine, aber auch gar keine Rolle spielen, sondern sie ist in diesem Wahlverfahren so weit es nur geht zu marginalisieren und zu ignorieren. Man stelle sich einmal vor, eine/r oder mehrere Delegierte ließen verlautbaren oder deuteten an, sie hätten prinzipiell X unterstützen wollen, hätten es aber wegen der möglichen NPD-Stimmen für eben diesen “eigenen” Kandidaten aber dann nicht getan. Mehr als das kann man die Neonazis ja gar nicht aufwerten. Ich bleibe dabei – im Zweifelsfall hat nach der Wahl der Gewählte angemessen auf das Wahlergebnis zu reagieren, was man im Vorfeld selbstverständlich absprechen kann.
07.06.10 - 11:21
29. Stephan Hebel
Lieber Werner Thiele-Schlesier (#27),
um bei Gauck zu bleiben: Vielleicht können wir uns wenigstens einigen darüber, dass der Text im “Freitag”, auf den Sie verlinken, ein Kommentar ist und kein Bericht (und vom “Freitag” fairerweise auch als Kommentar bzw. “Streitpunkt” gekennzeichnet).
Nicht einigen werden wir uns über den Inhalt: Ich maße mir an, einer von vielen lebenden Beweisen dafür zu sein, dass man dem jede abweichende Meinung unter Verdacht stellenden Mainstream nicht angehören muss, auch nicht dem Lager, das die Politik gern nach der Pfeife der Wirtschaft tanzen sieht, um Gaucks Wahl zu befürworten. Ich bin sicher nicht der einzige Gauck-Befürworter, der in dieses billige Freund-Feind-Schema nicht passt.
07.06.10 - 11:58
30. Abraham
@ # 26 sodalis
“Alle Menschen in einer Demokratie sind Demokraten, solange sie sich an Wahlen beteiligen, auch wenn deren Stimmenwahl einem auch nicht schmeckt.”
Nach dieser Definition waren auch die Wähler der NSDAP Demokraten, auch wenn sie einen Führerstaat befürwortet und herbeigeführt haben.
07.06.10 - 15:37
31. dreas
Lieber Stephan Hebel, nachdem ich mir nun in der FR und anderen Zeitungen durchgelesen habe, wie sich Joachim Gauck zuletzt als Kandidat geäußert hat, irritiert mich allerdings, wie er doch mehrfach seine Distanz zu linken Einstellungen und seine Nähe zu mindestens einigen Protagonisten des schwarz-gelben Lagers betonte. Genau genommen irritiert mich dies mehr als die m.E. zu sehr rückwärtsgewandte Kritik von links. Menschen entwickeln sich weiter – wenn sie es wollen und man ihnen den Raum dafür lässt. Wie sehr will Joachim Gauck sich weiter entwickeln – was denken Sie?
07.06.10 - 16:48
32. Gano
Gauk for Präsitänt !! !
als transatlantiker wird er die von Neid triefenden nimmersatten Mäuler aus der Unterschicht schon in seinen zukünftigen Interviews zur Räson weisen > die thesen der nationalstiftung, der er ideologisch und personell verpflichtet ist propagiert u.a. folgende -noch nicht in Stein gemeißelte- Thesen:
* Umbau der Sozialversicherung;
* Renovierung der öffentlichen Finanzwirtschaft;
* längeres Anhalten der Realeinkommen;
* Verzicht auf weitere DM-Aufwertungen;
* eine umfassende Deregulierung auf allen Gebieten.”
hoch soll er leben Germanys NEXT top blödl, aäh ich meine top B and da P, da Bundesprähsident. powered by N-I > neoliberale Ideologie, fielleicht auch bald in ihren Gehirnwindungen
07.06.10 - 19:21
33. maat
Wie ich mich über die Linkspartei ärgere!
Wenn man so eine mutige und aufrechte Persönlichkeit wie Gauck, der ja geradezu den Kampf für Freiheit und Menschenrechte aus der eigenen Biografie verkörpert, ablehnt- dann zeugt das von einer derartigen Schrankwand-und Geranienborniertheit, die sich meines Erachtens nur in eine Richtung entwickelt- in aktenschimmelnde Scheuklappenverordnung.
07.06.10 - 20:52
34. Werner Thiele-Schlesier
@ Stephan
Wenn ich mir diesen Kommentar reinstelle, muss ich denn dann erwähnen, dass mir nichts trotz intensivem Lesen der FR – und die ist neben der hiesigen Lokalzeitung damals die einzige gewesen, die ich las – nichts über die Ursache des Rücktritts von Stephan Heym in Erinnerung ist. Und Stephan Heym war gewiss niemand, dem Informantentätigkeit für die Stasi hätte nachgesagt werden dürfen. Einzig die Tatsache, dass er für die PDS im Bundestag saß und dort als Alterspräsident tätig wurde, verleitete Gauck Mobbing gegen ihn zu betreiben. Der Hass auf die DDR saß eben tief und ließ ihn als Behördenleiter seine Neutralität verlieren. Und das soll jetzt plötzlich anders sein, nur weil er Bundespräsident wurde?
28. dreas
Ich schrieb “gegen den Willen großer Teile dieser Partei”, nicht jedoch wie Sie es behaupten. Aus meiner Formulierung ist also nicht zu entnehmen, dass die Mehrheit der Partei noch sozialdemokratisch ist.
Und gerade wg der Neonazis wäre die Beteiligung aller an der Auswahl so wichtig gewesen. Da sich nun mal die Tigerenten nicht zum gemeinsamen Kadidaten durchringen konnten, wäre es demokratischer stil gewesen, wenn die sPD und die Grünen sich MIT der Linken zusammen um einen Kandidaten hätten bemüht. Dabei hätte durchaus auch Gauck rauskommen können. Ernst antwortete mir, dass die Partei genau wg dieser Brüskierung eine/n eigene/n Kandidatin/en benennen würde. ich sehe allerdings bislang nicht, wer das sein Könnte. Vielleicht wird es ja eine Frau. Da wäre es dann aber ebenso ein Afront gegen die sPD, wenn Frau Schwan sich für derartige Spielchen hergeben würde, nicht wahr?
Ich halte dieses ganze Geschacher für unwürdig für die Bestellung unseres Bundespräsidenten. Und wer trommelt am lautesten? Ja richtig: die Bloed. Ob sich Stephan Hebel dieser Hilfe für Gauck bewusst ist?
07.06.10 - 21:28
35. BvG
Geht alles so weiter, wie es Köhler zuletzt angeprangert hat.
Jeder fühlt sich aufgerufen, zur Personalie was zu sagen, das Amt zu okkupieren und das Ganze zum Proporzgerangel zu machen.
Zum Schluss kommt dann ein Harlekin heraus, der nun mit 5 oder gar 6 Farben einhertanzen muss. (Das will ich morgen als Titelbild sehen, Stefan!)
Vielleicht sollten alle mal innehalten und darüber nachdenken, dass der Bundespräsident mehr sein soll als ein Eulenspiegel.
07.06.10 - 21:50
36. I.Werner
@ bvg
warum denn kein eulenspiegel? der hat doch die wahren dinge herausgekitzelt durch seinen schalk.
07.06.10 - 23:33
37. BvG
@I.Werner
Ganz einfach:
Weil ein Bundespräsident die wahren Dinge benennen soll,
einfach und ehrlich und ohne die Herrschenden zum Narren zu halten.
Närrisch sind die Herrschenden dann, wenn sie Narren brauchen, um die Wahrheit zu sagen.
Demokratie ist aber die Herrschaft des Volkes…
08.06.10 - 00:35
38. SSW
Mein erster Gednke war. ja, dass hättet ihr gern.
Immer die Linke als semi-demokratisch vorführen und nun zur Demokratie, wie ihr es Euch vorstellt, hinführen.
Gauck ist einer der Großinqusitoren. Und Konsequenzen, wie viele sie auch seinetwegen trugen, muss auch er tragen.
So kenne ich ihn auch:
“Ich habe selbst erlebt, wie er sich geradezu gequält hat, um die Perspektive von Menschen zu verstehen”.
Muhaha – schön getroffen.
Leicht fiel es ihm gewiss nicht.
Er ist und bleibt ziemlich selbstgerecht. Und auch eitel.
Im Übrigen ist er genau so wenig eine Freund der benachteiligten, wie sein Gegenkandidat.
Beide für die gleichen Interessengruppen aktiv: Atlantikbrücke usw. (warum berichtet ihr sowenig von all diesen gemeinsamen Mitgliedschaften der scheinbaren Gegenspieler?
Die Linke tut gut daran aus diesem Spiel heraus zu halten.
Was haben wir mit Euren Kandidaten zu schaffen?
Im Übrigen ist das ohnehin bald alles egal, denn die eigentliche Wirtschafts- und Finanzkrise steht ja noch an. Und dass soll mal das bürgelrich elage (und machen wir uns nichts vor: dazu gehört selbstverständlich auch Grüne und Teile der SPD) mal schön selbst auslöffeln.
Linke für Gauck um Wulff zu verhindern?
Weil es Euch passt und der Gauck mit Mühe verstehen lernt?
MUHAHA!
Nix ist.
Viele schöne Grüße aus Berlin
08.06.10 - 04:16
39. Werner Thiele-Schlesier
Da gibts bei uns eine Karikatur des Gewesenen mit der Sprechblase: … einmal ein wahres Wort gesprochen – und schwupps ist man seinen Job los …
Beide Kandidaten gehören zu den Bürgerlichen. Die haben beide nichts am Hut mit den Armen im Lande. Es ist traurige Wahrheit, dass die sPD immer und immer wieder die gleichen Fehler macht. Lernfähigkeit jedenfalls scheint solches Verhalten nicht zu beweisen. Und so ists auch mit ihrem Personal bestellt. Sie haben es nicht mal fertiggebracht einen für alle annehmbaren Kandidaten aus den eignenen Reihen zu benennen, ganz zu schweigen, dass jetzt so getan wird, als ob die Linke für diese vergebliche Kandidatur verantwortlich sei, wenn sie in die Hose gegangen sein wird.
08.06.10 - 08:33
40. Dietmar Brach
Wenn die Linke nach Lage der Dinge ernsthaft plant, eine eigene, völlig aussichtslose Kandidatin aufzustellen, so stellt sich mir schon die Frage ob diese Partei, der ich bei den vergangenen Wahlen vertraut habe, wirklich die politische Reife besitzt.
Als Linker stehe ich nicht nur gegen Unterdrückung, ich möchte auch das die Unterdrücker bestraft werden. Somit hat Herr Gauck meine volle Sympathie.
08.06.10 - 13:39
41. maat
Na super! Die Linkspartei spielt sich als Anwalt der kleinen Leute auf, nominiert eine eigene Kandidatin, und befördert dadurch, dass am Ende der schlechteste Kandidat gewählt wird. Diese Partei ist doch peinlich.
08.06.10 - 16:51
42. Bernd Oehler
Kann denn mal jemand aufzeigen, was an Gauck links ist?
08.06.10 - 20:03
43. D.Linke
@ 41 Maat
Na super! Maat findet den schlechtesten Kandidaten des bürgerlichen Lagers besser als die Kandidatin der Linkspartei, der Syntax (man beachte den Superlativ) ihres Beitrags nach zu urteilen aber, findet sie sogar jeden der bürgerlichen Kandidaten schlechter als die Kandidatin Luc Jochimsen der Linkspartei.
Aber das ist natürlich nur ein Irrtum, denn Maat mag Sozialisten genausowenig wie Herr Gauck sie mag. Also ist Gauck dann doch nicht der schlechteste Kandidat, auch wenn Maat das nicht so richtig ausdrücken kann/will..
08.06.10 - 20:23
44. maat
Ob Gauck links ist oder nicht interessiert mich überhaupt nicht. Seine Überparteilichkeit ist ja gerade der Witz an der Sache. Was ist grundsätzlich an Bürgerlichkeit schlecht, sofern man das Allgemeinwohl im Blick hat und sich für die Grundrechte einsetzt? Das hat Gauck bewiesen.
Die jetzige Regierung ist in diesem Sinne überhaupt nicht bürgerlich- ihr Sparprogramm, das auf Kosten der Armen geht, ist unmoralisch.
08.06.10 - 20:57
45. Bernd Oehler
Na, wenn es uninteressant ist, ob an Gauck etwas Linkes ist, warum ist es dann so interessant, ob die Linke ihn wählt oder nicht?
Je mehr die Linke den Nerv der offen zu Tage liegendenen Verlogenheit des gesamten neoliberalen Lagers trifft, desto mehr muss sie ausgegrenzt werden – darum scheint es zu gehen. Während vom bürgerlichen Lager der soziale Krieg erklärt wird, scharmützelt man vor dem Publilkum darob herum, ob Gauck oder Wulff die Salbadersoße zu den Schweinereien geben darf. Denen, die alles auslöffeln dürfen, wird es einerlei vorkommen.
08.06.10 - 22:40
46. Werner Thiele-Schlesier
Mit der Auswahl Gaucks wollte die rot/grüne Opposition gleich 2 Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Was soll denn jetzt der Unterschied zwischen Wulff und Gauck sein? Ich erkenne den nicht. Aber ich bin ja auch nur ein blöder Schlosser, der nicht selber zu denken gelernt hat, nicht wahr? Cui bono, frage ich mich, wenn ich an diese beiden Kandidaten denke. Wulff ist für Frau Merkel die beste Voraussetzung ihrer Politik. Gauck jedoch soll die Tigerentenkoalition spalten. Nur, was kommt danach? Ergebnis könnte sein, dass es eine weitere große Koalition gibt, wenn es denn überhaupt zur Scheidung der Tigerenten kommen sollte. Aus Erfahrung der letzten GK jedoch ergibt sich, dass solches nur die berühmte Traufe nach dem Regen der Tigerenten wäre. Bleibt dann nur noch die Hoffnung auf Neuwahlen. Seien wir doch mal ehrlich, wer von uns glaubt, dass dann eine linke Mehrheit auch in Regierungshandeln umgesetzt wird? Ich nicht. Wie sagte doch Priol in “Neues aus der Anstalt”: Er wolle, dass die Kanzlerin so weitermacht wie bisher. Besser könne sie nicht demonstrieren, dass diese Regierung inkompetent ist. Jedenfalls ist eine Politikänderung von keiner möglichen Nachfolge dieser Regierigen zu erwarten. Der Traum über die Bande Bundespräsident etwas an der Politik in diesem Lande zu ändern sollte nicht dazu führen, dass ein bis in die Haarspitzen konservativer Kandidat für die Linke auch nur in Gedanken wählbar werden könnte. Den Beweis, dass die sPD, sich nicht einen Deut um die Stimmen der Linken bemüht hat, habe ich oben mehrfach beschrieben. Besser konnte sie nicht beweisen, dass es ihr um die Demütigung der Linken ging. Wie in den Sondierungsgesprächen in NRW. Die Linke soll nur vorgeführt werden. Jetzt hat die Linke aber mit einer eigenen Kandidatin bewiesen, dass sie durchaus in der Lage ist, aus ihren Reihen jemanden zu benennen, die als Bundespräsident uns angemessen repräsentieren wird, auch wenn Luc Jochimsen keine Chance in der Bundesversammlung haben wird. Offensichtlich haben andere Parteien kein Interesse, dass eine Frau ebenso gut dieses Amt ausüben kann wie jeder Mann.
09.06.10 - 08:28
47. dreas
Man könnte es allerdings (etwas boshaft zugespitzt) auch so sehen, dass die Linke sich damit ihre Ausgrenzung durch die anderen Parteien zu eigen macht und sich jetzt mit ihrer eigenen Kandidatin gemütlich in der “Schmuddelecke” einrichtet. Nach dem Motto: “Es ändert sich eh nichts zum Guten, also zeigen wir wenigstens, dass wir da nicht dazugehören.” So wird das zwar das jeweilige Schmerzempfinden der politischen Akteurinnen und Akteure minimiert, aber wirklich vorwärts bringt das doch niemanden. Oder?
09.06.10 - 14:19
48. Bernd Oehler
»Warum man weder Anti-Aufklärer noch DDR-Nostalgiker sein muss, um den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck abzulehnen«, erläutert Daniela Dahn:
sueddeutsche.de/politik/praesidentschaftskandidat-joachim-gauck-gespalten-statt-versoehnt-1.956510
10.06.10 - 14:50
49. Werner Thiele-Schlesier
@ 47. dreas
Für die Linke stehe ich gerne in der von den etablierten Parteien eingerichteten Schmuddelecke.
Gestern in der Propagandasendung im 1. hat Herr Wulff eindrucksvoll bewiesen, dass er niemals für die Linke wählbar sein kann, hat er doch gemeint, dass der Afghanistankrieg erfolgreich beendet wird.
Ob Herr Gauch, wenn er denn morgen im 1. befragt wird, auch kritische Fragen zu dem Artikel aus der Süddeutschen ausreichend beantwortet, wird sich zeigen. Danke Bernd Oehler für den Link. Gauck hat sich ja schon bei der Bewertung der Mörder von Gardelegen (1945) mehr als weit aus dem Fenster gelehnt. In diesem Fall wird es sich zeigen, ob im öffentlichrechtlichen Rundfunk diese Fragen gestellt werden.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Stephan sich durchaus vor seinem Aufruf in diesem Blog über den Kandidaten hätte informieren können. Es reicht eben nicht, dass die sPD den Kandidaten benennt und dann läuft die ganze Presse hinterher, um Frau Merkel aus dem Amt zu mobben. (Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich diese Koalition mal in Schutz nehmen werde.) Stephan sei gesagt: Dieser Kandidat spaltet die Koalition nicht. Der ist der Kanzlerin ebenso willkommen wie Herr Wulff.
10.06.10 - 18:02
50. sodalis
@ 30 ABRAHAM
““Alle Menschen in einer Demokratie sind Demokraten, solange sie sich an Wahlen beteiligen, auch wenn deren Stimmenwahl einem auch nicht schmeckt.”
Nach dieser Definition waren auch die Wähler der NSDAP Demokraten, auch wenn sie einen Führerstaat befürwortet und herbeigeführt haben.”
—-
So ist es!
Da waren wohl auch Ihre und meine Eltern beteiligt, oder Grosseltern.
Und wer nicht zur Wahl ging, der hat für die Mehrheit der NSDAP gesorgt.
Wie auch immer, es sind Menschen! Menschen könne irren, vor allem, wenn sie vor der Wahl Steuersenkung versprochen bekommen, die nach der Wahl real eine Steuererhöhung und Sozialabbau bedeuten.
Dass von der Situation her Steuererhöhung angebracht wäre, das wusste man auch im September 2009, und doch hingen die Menschen lieber an den Märchen von der Steuersenkung.
Man kann nicht eine Sache nach ihrem Erlebt sein hinterher wählen, sondern der Wahlvorgang ist eine Sache, die vor dem Erleben stattfindet, also immer nach Gefühl, Sympathie oder Strategie.
Besser weiss man alles immer erst hinterher.
Wissen wir, wie Gauck zum Sozialstaat als solidarischer Fürsorgestaat steht? Wie er zum Krieg steht? Warum hat er soviel Freunde unter denen, die Freiheit dem Kapitalismus oberste Priorität einräumen?
Sollte nicht Solidarität an oberster Stelle stehen, denn Wohlstand ist keine Sache des Fleisses und Intellekts, sondern ein Glück von Gesundheit, Schläue, Erbschaft, Kaltschnäuzigkeit, Ellebogendurchsetzung, Wiege, … .
Egal wie fleissig und Intelligent eine OP-Schwester ist, die jedem Chefarzt überlegen ist, würde nie eine Chefärztin sein, wenn sie das Glück hat, mehr soziale Intelligenz zu besitzen als Ehrgeiz zum Befriedigen von Standesdünkel?
Mit ihrem Gehalt kann eine Op-Schweser nicht wohlhabend werden, das ginge nur, wenn man ihre Arbeit nach Wert bezahlte und nicht nach Gewinnbedürfnis des Klinik-Investors.
Ein Bundespräsident muss das vor Augen haben, bevor er sich über Sparvorschläge der Kapitalisten in der Regierung äussert.
Und ausserdem sollte ein Bundespräsident Kenntnisse davon haben, dass Sparen nur das ist, wenn man Geld nicht ausgibt/verkonsumiert, das man hat, und Unterlassen von Ausgaben über Kredite nicht mit Sparen verwechselt.
Die Regierungs-Experten bezeichnen Schuldenmachen reduzieren als Sparen.
Was soll dabei rauskommen, wenn man nicht einmal richtig weiss, was Sparen überhaupt ist.
10.06.10 - 23:00
51. ostzoner
Herr Gauck ist für mich ein gewöhnlicher Stalinist, nur sein Symbol ist das Kreuz. Früher nannte man so eine Position Großinquisitor.
Es war in der DDR sehr gut, dass diese DEUTSCHEN CHRISTEN eingrenzte Machtpositionen hatten.
Kaum sind die Christen wieder ohne Kontrolle an der Macht, gibt es Kriege und Massenmorde mit deutscher Beteiligung.
Der letzte christliche Bundespräsident, Horst Köhler hatte in Afghanistan bedauert hatte, dass die deutschen Soldaten nicht “Sieg” akklamierten.
Herr Gauck steht für Krieg, Unterdrückung und Überwachung. Die Sachen, die ich als ehemaliger Bürger der Deutschen Demokratischen Republik nicht mag.
Hoffentlich wählt die Linke diesen Kriegschristen (Wulff ist nicht besser) nicht.
11.06.10 - 09:16
52. Werner Thiele-Schlesier
Soeben hat Gauck den Faschismus gegen die DDR versucht aufzurechnen. Der soll wirklich für Grüne und sPD wählbar sein?
11.06.10 - 21:13
53. I. Werner
52. Werner Thiele-Schlesier
Hat er das? Wie denn? Der Mann ist wirklich sehr redegewandt. Erklären Sie mir, was Sie ihm vorwerfen. Vielleicht überhöre ich die Feintöne?
12.06.10 - 00:33
54. maat
Herr Thiele-Schlesinger,
ich habe gestern Abend im Fernsehen ein Interview mit Gauck gesehen (meinten Sie das?). Ich würde von Ihnen gerne das betreffende Zitat vorgelegt bekommen, anhand dessen Sie diese rufschädigende Behauptung gegen Gauck begründen.
Gauck hat ziemlich deutlich gemacht, dass die Systeme des Dritten Reichs und der DDR nicht gleichzusetzen sind und die Sonderstellung des Nazi-Regimes ausdrücklich hervorgehoben.
Dies hat er sogar sehr eindringlich verknüpft mit einer persönlichen Schilderung seiner Wahrnehmung als Heranwachsender.
Ihr indirekt ausgesprochener Vorwurf, Gauck würde den Faschismus verniedlichen, ist absurd.
Möglicherweise kommt Ihnen das so vor, weil Sie nicht so gerne hören möchten, dass die DDR kein Rechtsstaat war.
12.06.10 - 21:05
55. Werner Thiele-Schlesier
Dieses “aber”, welches er anfügte haben sie also nicht wahrgenommen. Na ja, ich habe ihm gegenüber sicher Vorurteile. Googeln Sie einfach mal Gauch Stendal Biermann(Nicht der Liedermacher).
12.06.10 - 21:59
56. maat
Na ja, vermutlich hat er außer “aber” auch mal “obwohl” oder “weil” im Laufe des Interviews verwendet. Darüber pflege ich keine Strichliste zu führen. Mir reicht der Sinnzusammenhang und der ist in dem Fall eindeutig.
12.06.10 - 22:52
57. Werner Thiele-Schlesier
Nein er hat vom Unrechtsstaat gesprochen. Das aber ist die Vokabel derjenigen, die den Faschismus mit der DDR gleichsetzen. Er will also relativieren. Er ist ein Kommunistenfresser. Der Hass treibt ihn, nichts anderes.
Da lobe ich mir Schorlemmer, der vor 89 auch im Widerstand war und auch da einen Namen hatte. Wo war da der Herr Gauck? Warum verfolgte Gauck den Ministerpräsidenten Stolpe mit seinen Vorwürfen? Die sPD sollte doch schon mal drüber nachdenken, wie sich Stolpe gefühlt hat, als er durch Gauck gemobbt wurde. Warum hat Gauck Stefan Heym mit Stasi-Vorwürfen überschüttet, als der Alterspräsident des Bundestages war? Butter bei die Fische konnte er bei keinem dieser Vorwürfe tun. Zurückgenommen hat er allerdings auch keinen seiner Vorwürfe.
Dieser Kandidat soll spalten. Dafür gibt er sich her. Er ist ebenso schlecht als Präsident wie Herr Wulff. Und Frau Merkel kann sicher mit beiden Kandidaten ausgezeichnet kooperieren.
13.06.10 - 14:24
58. maat
Herr Thiele-Schlesinger, Sie neigen zu Verallgemeinerungen. Indem man den Begriff „Unrechtsstaat“ für die Beschreibung der DDR verwendet, setzt man Faschismus und DDR nicht gleich. Die Vokabel kann nichts dafür- es kommt auf den Zusammenhang an.
Schwierig wird es, wenn jemand von den „beiden deutschen Diktaturen“ spricht oder „von den beiden Unrechtsstaaten“ auf deutschem Boden, ohne (!) auf die entscheidenden grundlegenden Unterschiede dieser beiden Regime hinzuweisen. Dies wäre tatsächlich eine Relativierung, über die man sich aufregen könnte.
Für die Rechtsstaatlichkeit gibt es bestimmte Kriterien. Treffen diese zu, handelt es sich um einen Rechtsstaat, treffen diese nicht oder in den wesentlichen Punkten nicht zu, ist es keiner. Die DDR war kein Rechtsstaat. Der Begriff „Unrechtsstaat“ bringt dies zum Ausdruck. Das ist an sich nichts anderes als eine Feststellung.
Der Begriff wird aber- wie in vielen anderen Bereichen auch- dann problematisch, wenn einem zu einem bestimmten Sachverhalt nicht mehr einfällt als ein einziger Begriff, in dem Fall könnte man jemandem undifferenzierte Argumentation vorwerfen.
Mich befremdet es allerdings, dass Personen aus der Linkspartei sich dermaßen gegen den Begriff „ Unrechtsstaat“ stemmen, als handle es sich dabei um eine Verleumdung. Ich halte die Behauptung, es handle sich dabei um eine Gleichsetzung mit dem Faschismus für ein Ablenkungsmanöver , um sich mit der DDR-Vergangenheit nicht ausreichend auseinander setzen zu müssen. Politiker, die nicht klar sagen können, dass die DDR kein Rechtsstaat war, beschönigen diesen Teil der Geschichte und sind grundsätzlich für mich nicht wählbar.
Interessant dazu:
http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/_E2_80_9EWir-sind-das-Volk_21_E2_80_9C/2516524,CmC=2598932.html
Gauck vorzuwerfen, er würde hassen, ist sehr weit hergeholt. Der Mann saß bei dem Interview sonnig und friedlich auf seinem Stühlchen, hat sich differenziert geäußert- Leute, die hassen, benehmen sich anders.
Was fällt Ihnen als nächstes ein, um Gaucks Ansehen zu beschädigen?
13.06.10 - 19:07
59. Werner Thiele-Schlesier
@ Maant
Einigen wir uns darauf, dass die DDR kein Rechtsstaat bzw eine Diktatur war? Unrechtssataat würde ja bedeuten, dass überhaupt kein recht gegolten hat. Dies müssen Sie zur Kentnis nehmen.
Der Begriff Unrechtsstaat ist vom Geheimdienst erfunden worden, um ein anderes zu diffamieren. Gauck selber nutzt diesen begriff wahrscheinlich sogar in Kenntnis dessen, was damit bezweckt war.
Dass Gauck selber die Mörder von Gefangenen (1116 Gefangene wurden in Gardelegen bei lebendigem leibe verbrannt), die in Torgau wegen dieses Mordes zum Tode verurteilt wurden, quasi als Mitläufer titulierte, selber aber die ganze Bevölkerung der DDR, die sich nicht gegen die dortigen Regierigen wendeten, als Mitläufer behandelte, wird bei der Bewertung dieses Menschen schnell vergessen.
Im übrigen fällt mir nicts ein sondern er hat sich selber disqualifiziert.
13.06.10 - 20:40
60. maat
@ Werner Thiele-Schlesier
kein Rechtsstaatoder Unrechtsstaat -in meinen Augen ist das Wortklauberei, aber bitte.
Nur aus Interesse:Welches Recht hat denn in der DDR gegolten, auf das es Ihnen so sehr ankommt?
Ich verstehe nicht, was Sie mir mit dem Beispiel sagen wollen. Könnten Sie bitte genauer ausführen, was Sie mit dem Beispiel meinen? Vielleicht haben Sie auch ein Zitat, was Gauck genau geäußert hat, damit ich mir ein Bild amchen kann.
13.06.10 - 22:01
61. I. Werner
59. Werner Thiele-Schlesier
Bitte, klären Sie mich über die Hintergründe dieser verbrannten Häftlinge auf. Meine Familie kommt aus dieser Gegend, aber ich weiß darüber nichts,
14.06.10 - 00:13
62. Werner Thiele-Schlesier
Gegen Ende des krieges wurden Häftlinge aus 2 verschiedenen KZs in Gewaltmärschen vor den anrückenden westlichen Alliierten nach Osten verbracht. Alle die diese Stapaze wg Erschöpfung nicht ertrugen, wurden kurzerhand erschossen. Als dieser Gefangenentransport am 13. April 1945 in der Nähe von Gardelegen in einer Scheune Rast machte, wurde diese Scheune mitsamt den dort eingeschlossenen Häflingen verbrannt. Der Hauptverantwortlich namens Thiele floh und wurde erst nach seinem Tod enttarnt. Die oben erwähnten Biermann und Brake waren aber ebenso Mörder, denn sie ließen die Häftlinge ohne eigene Gegenwehr verbrennen. Tafür wurden sie in Torgau hingerichtet. Gauch war es mit seiner Stiftung gegen das Verbrechen, der sie als Mitläufer bezeichnete, und sie auch noch ehrte.
Wikipadia: Am 13. April 1945 wurden in der etwas außerhalb der Stadt gelegenen Isenschnibber Feldscheune 1.016 KZ-Häftlinge ermordet. Mehrere sogenannte Todesmärsche von KZ-Häftlingen (unter anderem aus dem Außenlager Rottleberode und dem Außenlager Stempeda) und andere Transporte waren an den Tagen zuvor in Gardelegen zusammengetroffen und konnten wegen der nahenden Front nicht fortgesetzt werden.
Daraufhin wurde durch die Verantwortlichen unter dem NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele die Ermordung vorbereitet und durchgeführt. Die Gefangenen wurden in eine steinerne und mit Ziegeldach „hartgedeckte“ Feldscheune eingesperrt. Drei der vier großen Schiebetüren wurden verriegelt.
Über den weiteren Tatablauf gibt es im Detail abweichende Darstellungen.
Gardelegen, 16. April 1945
Einigen Schilderungen zufolge[1] war der Boden der Scheune mit Stroh bedeckt, das mit Benzin getränkt und an mehreren Stellen entzündet wurde. Diese Version stützt sich offenbar allein auf den Zeugen Stanislaw Majewicz, der 1985 beim Landeskriminalamt Niedersachsen aussagte. Ein zweiter Zeuge führte den Benzingeruch zunächst darauf zurück, dass die Scheune früher als Treibstofflager gedient habe. [2]
Nach anderen Darstellungen hätten die Gefangenen den Ausbruch des Feuers zunächst verhindert, indem sie das Feuer mit Kleidungsstücken erstickt hätten.[3]
Die Schilderungen stimmen überein, dass die Wachmannschaft in die Scheune schoss, um die Häftlinge zu töten. Als Mordwerkzeuge werden Maschinengewehre, Handgranaten, Panzerfäuste, Signalmunition und Phosphor-Granaten genannt. Mit Sicherheit wurde noch in der Nacht Benzin aus Gardelegen herbeigeschafft, um das Innere der Scheune in Brand zu setzen und die Leichen zu verbrennen. Das Verscharren der teils verkohlten Leichen gelang nur unvollkommen, obwohl Männer aus Gardelegen dabei halfen. 24 Stunden nach dem Massenmord erreichte die US-Armee den Ort des Geschehens. 25 Häftlinge hatten überlebt.
_____________________________________________
Nach Aussagen des Betreuers der Gedenkstätte haben sich einige der Häftlinge unter den Toren durchgescharrt und konnten so überleben.
Jemand, der für sich in Anspruch nimmt, ein überparteilicher Bundespräsident sein zu wollen, zeigt die Ehrung solcher Verbrecher nicht gerade, dass er der Präsident aller Bundesbürger sein wird. Ich will nicht mißverstanden werde: Wulff halte ich ebensowenig für überparteilich. Außerdem bewerte ich Herrn Gauck nicht danach, wie seine Wahl dieser Bundesregierigen beeinflusst. Frau Merkel hat weder mit Wulff noch mit Gauck Probleme. Das Amt ist so neutral aufgebaut, dass es für den Amtsinhaber wenig bis gar keinen Spielraum lässt selber Politik zu machen. Und das ist gut so nach Hindenburg. Ach ja, den hatte einst die sPD auch unterstützt.
14.06.10 - 09:05
63. Werner Thiele-Schlesier
@ Maat
Ein Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er gleiches Recht für alle setzt. Das war in der DDR nicht so ohne weiteres gegeben. Einen Unrechtsstaat zeichnet aus, dass überhaupt kein Recht gilt. Selbst die Nazis haben sich für ihre Massenmorde entsprechende Gesetze geschaffen.
Mir müssen Sie nichts über die Zeit der Faschisten sagen. Ich bin fast so alt wie dieser Bewerber. Meine leibliche Mutter wurde in meinem Beisein im Bäckerladen von Einheimischen angespucckt mit der Bemerkung “Judenhure” angespuckt. Nach dem Krieg waren es ruschische Militärs, die uns Kinder vor dem Verhungern bewahrten. Zur Information: 1947 wog ich als 6jähriger knapp 14 Kg.
14.06.10 - 09:18
64. maat
@Werner Thiele-Schlesinger
Danke für die Darstellung. Allerdings weiß ich nun immer noch nicht, was Gauck zu dem Fall gesagt hat. WOFÜR hat er die beiden Männer geehrt und in welchem Zusammenhang hat er sie verteidigt- ich hätte da gerne mal den Wortlaut bzw. die Quellenangabe.
Zum Faschismus habe ich mich doch überhaupt nicht geäußert- es wundert mich, dass Sie mich darauf aufmerksam machen, dass ich Ihnen dazu nichts sagen bräuchte.
Die Schicksale, die Sie schildern (das Ihrer Mutter und Ihr eigenes als Kind) erweckt mein Mitgefühl.
Ich habe mich in meinen Kommentaren auf die DDR bezogen und die Begrifflichkeiten. Ihre Definition von „Unrechtsstaat“ halte ich für falsch. Ich teile die Ansicht von Wolfgang Welsch:
„Eine Diktatur ist jedoch zweifelsfrei die unbeschränkte Herrschaft einer Person oder Gruppe durch autoritären Zwang über die Mehrheit. Dies kann nur durch Gewalt und Repression auf Andersdenkende geschehen, also durch die Außerkraftsetzung von Recht und Menschenrecht. Wo dieses Recht vor Macht fehlt, herrscht Unrecht. Die DDR war also zweifelsfrei ein Unrechtsstaat.
Wer dies im Namen der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus als sophistische Begriffsverwirrung ablehnt, verharmlost die Willkür des SED-Staates. Denen, die dies als Kampfbegriff bezeichnen, muss man Verklärung der Diktatur vorwerfen. Ihnen geht es in Wahrheit nicht um die Klarheit des Denkens und die historische Definition dessen, was den SED-Staat ausmachte und in seinen Grundfesten zusammenhielt, sondern einzig um die politische Semantik der Begriffe. Geradezu abenteuerlich mutet der Hinweis darauf an, dass es – genau wie in der DDR – auch in der Bundesrepublik Unrecht gäbe. Da werden Staat und Gesellschaft verwechselt.“
Der gesamte Text ist interessant, lesen Sie mal hier:
http://www.wolfgang-welsch.com/rts/index.php?option=com_content&view=article&id=62%3Avortrag-am-3102009-die-ddr-war-ein-unrechtsstaat&catid=35%3Aaktuelles&Itemid=57&lang=de
14.06.10 - 16:12
65. Stephan Hebel
Lieber Werner Thiele-Schlesier,
ich fange ganz ungalant mit Ihnen an und nicht mit maat, der Dame. Ich möchte Ihnen sagen: Gerade die kurze Schilderung vom Schicksal Ihrer Familie, auch dem eigenen, hat mir die Augen ein Stück weiter geöffnet: Es wird Ihnen paradox erscheinen, aber gerade daran ist mir aufgegangen, warum ich mich so gerne mit Ihnen zusammen für Gauck eingesetzt hätte:
Wenn einer für eine bessere Welt kämpft, dann hat das nach meiner Überzeugung immer auch eine Wurzel in den eigenen, prägenden Erfahrungen, die politisches Denken ausgelöst und geleitet haben, so sehr es sich auch im Lauf eines Lebens weiterentwickelt.
Nun hat sich aus dem hungrigen kleinen Werner aus diesem Trauma offensichtlich das sehr achtbare Leben eines Bundesbürgers entwickelt, der – weitgehend sozialisiert im Kapitalismus – vor allem auch um mehr Gerechtigkeit kämpft. Sie, lieber Herr Thiele-Schlesier, werden keineswegs bei jeder Gelegenheit betonen, wie wichtig Ihnen allerdings auch die bürgerlichen Freiheiten sind. Und obwohl Sie es nicht ständig betonen, gesteht es Ihnen jedermann zu. Jeder wird einsehen, dass im Mittelpunkt Ihres Kampfes die soziale Frage steht.
Andererseits Joachim Gauck, Ihnen etwa gleichaltrig, wie Sie sagen. Eine seiner prägenden Erfahrungen waren nicht der 68er-Aufbruch, der Protest gegen den Vietnamkrieg, nicht der westdeutsche Konsumrausch und das Vergessen der nationalsozialistischen Verbrechen. Nein, es war das Leben in einer real existierenden Diktatur. Es war ein anderer 68er-Aufbruch, nämlich der in der CSSR. Und es war vorher (1951, elfjährig) das Erlebnis, dass der Vater wegen angeblicher Spionage verhaftet wurde und verschwand, monatelang blieb die Familie im Ungewissen über sein Schicksal, nach vier Jahren verhalf ihm die Bundesrepublik zur Entlassung aus der Sowjetunion zurück in die DDR. Das “Verbrechen” des Vaters bestand nach allem was bekannt ist darin, dass er eine nautische Fachzeitschrift aus dem Westen besaß.
So entwickelten sich die Gewichte im Denken bei Gauck anders als bei Ihnen. 40 Jahre in einem Land ohne Hunger, aber auch ohne Freiheit ließen bei ihm die Freiheits-Frage in den Vordergrund rücken. Aber ich füge -so wie ich es bei Ihnen umgekehrt getan habe – hinzu: Gauck spricht aus dieser Vita heraus die soziale Frage nicht immer an, das sehe auch ich, und öffentlich tut er es auch mir zu wenig. Aber ich weiß, dass er sie verstanden hat, mögen seine Schlussfolgerungen auch nicht die gleichen sein wie Ihre und meine. Ich kann Ihnen das nicht anhand seiner öffentlichen Äußerungen für Sie befriedigend nachweisen, denn es ist eine persönliche Erfahrung. Ich glaube aber, Gauck würde Sie auch in dieser Hinsicht positiv überraschen, würde er zum Präsidenten “aller Deutschen” gewählt. Und sollte die Linksfraktion ihn vor der Bundesversammlung einladen – das scheint noch nicht entschieden -, dann könnte sie das ja prüfen.
Viel wichtiger ist: Wir reden – bei Ihnen, lieber Herr Thiele-Schlesier, und bei Gauck – über Menschen, die sich entschieden haben, das erfahrene Unrecht nicht auf sich beruhen zu lassen. Ist das nicht unendlich viel wichtiger als die Frage, ob und was und wie SPD und Grüne vorher mit der Linken hätten besprechen müssen? Viel wichtiger als dieses nicht immer falsche, aber ein bisschen allzu sehr kultivierte Gefühl der Linken, immer von allen anderen schlecht behandelt zu werden? Ist es wirklich besser, sich mit einer Person auf Parteilinie in der Minderheit zu verschanzen, als sich, sozusagen unter Kämpfern – einem Unbequemen zu stellen? Zumal, wenn es helfen könnte, die politische Landschaft ein wenig zum Tanzen zu bringen?
Nehmen Sie, lieber Herr Thiele-Schlesier, meinen Vorschlag an, mal die Ähnlichkeiten zwischen einem wie Ihnen und Gauck zu entdecken.
Liebe maat,
bei Ihnen wird es kurz, aber genauso herzlich: Tausend Dank für Ihr nachdenkliches und zugleich bestimmtes Gegenhalten!
14.06.10 - 16:57
66. solidaris
Ist es wirklich sooo wichtig, in unserer heutigen Demokratie, darüber zu diskutieren, wie ein zukünftiger Bundespräsident zur Freiheit steht?
Viel brisanter ist doch zur Zeit das Bestehen unserer sozialen Marktwirtschaft.
Seit Mauerfall haben wir einen Kapital-Vandalismus, ohne jede Regelung, ohne Moral, Ethik, Menschenachtung.
Globalisierung der Märkte bedeutet, alles was Geldscheffeln hindert wird besetigt.
So die Arbeitsplatzreduzierung ( Arbeitsverdichtung), Frühverrentung, Altersaussortierung und durch die dadurch entstandenen höheren Sozialbelastungen des Staates wird der “kleine Mann” beschuldigt, weil er so über seine Verhältnisse masslos gelebt habe, hätten wir die Finanzkrise.
Die wäre jedoch angeblich nicht entstanden, wenn wir kleinen Lohn-, Gehaltsempfänger nicht so schmarotzerisch konsumiert hätten, wie das Bezahlen der hohen Stromrechnungen, hohen Heizkosten, hohen Benzinpreise, steigende Bank-, Versicheringsgebührensteigende Preise, Mautgebühren, KK-Zusatzabgaben, Praxisgebühren, überhöhten Medikamentenpreise, alles bei gleichzeitig gleichbleibendem Lohn/Gehalt/Rente, Steichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Ein grosser Batzen an Kosumverzicht! Einnahmen des Staates schwinden, schwinden, …., Subventionsgeschenke. Dafür wird der Hartz4-Empfänger als Schuldiger angeprangert.
Wenn ein Herr Gauck, der Bundespräsident werden möchte, sagt, wir sollen nicht auf einen Fürsorgestaat setzen, was meint er damit?
Diejenigen, die NOCH in Arbeit sind, NOCH das Glück haben Steuern zahlen zu können, sollen die nicht FÜR jene SORGEN, die schon in die Gewinnmaximierungs Entsorgungsfalle geraten sind? Haben die “Entsorgten nicht jahrelang eingezahlt in eine Versicherung, dass genau daraus ihnen dann mal geholfen wird?
Das ist FÜRSORGE! Das ist KEINE Versorgung!
Gauck stellt Fürsorge der Versorgung gleich.
Das macht mich stutzig, gerade deshalb hellhörig, weil er soviel Zuspruch ausgerechnet von den “Sozialschichtverächtern” der FDP hat.
Freiheit hin -oder her; es gilt jetzt nicht, sich mit der Vergangenheit zeitraubend zu beschäftigen, sondern in die Zunkunft zu blicken und zu fragen, was wird aus unserer sozialen Marktwirtschaft.
Eine derzeit regierende FDP wird uns unsere Freiheit nicht entwenden, auch nicht verringern, sondern eher die Freiheit des Kapitals unserer Solidargemeinschaft berauben.
Ein Wulff hat sich da nicht zögerlich geäussert, auf die Frage, wie er zu den “Monstern” steht, sondern sich zu Köhlers Standpunkt bekannt.
Gauck dagegen würde die Kapitalistenmachenschaften nicht als Monster bezeichnen.
Für die nächten paar Jahre ist das die wichtigere Herausforderung für den Bundespräsidenten zur rechten Zeit zu mahnen, Gesetze zu unterzeichnen oder es zu lassen.
Monsterbekämpfung oder keine!
Sieht man keine Monster, dann braucht man auch keinen Kampf gegen sie.
Köhler hat ein Gesetz verweigert, das den Verbraucher schützten sollte (z.B. vor Gammelfleisch), nur weil es gewissenlose Gewinnmaximierern geschadet hätte.
“Schaden vom Volk abwenden” oder “Schaden von Einzelnen Unternehmerschurken abwenden”?
Langsam verstehe ich die Einwände der DIELINKEN gegen Gauck.
14.06.10 - 19:16
67. maat
@Stephan Hebel
Ihre Antwort ist wirklich gelungen!
14.06.10 - 21:13
68. maat
@solidaris
Man kann nur in die Zukunft blicken, wenn man sich mit seinen (geschichtlichen) Wurzeln auseinandergesetzt hat. Die deutsche Geschichte lehrt uns das die Freiheit ein besonders wichtiges Gut ist.
14.06.10 - 21:29
69. sodalis
@Maat
Da bin ich ganz Ihrer Meinung.
Eine menschenverachtende Vergangenheit muss deshalb gründlichst aufgearbeitet werden, weil die Erziehung in einem menschenverachtendem System seine Weltanschauung in die Zeit danach hinüberträgt.
Kein Mensch kann seine Erziehung, seine Prägung des Gewissens, welche im Kleinkindesalter besonders durch Vorbilder, denn durch Worte, einfach so zu den Vergangenheitsakten legen.
Nach 45 sind die Kinder genau so erzogen worden, wie es die Eltern in ihrer Kindheit erlebt haben. In den Schulen wurde ebenfalls genau so unterrichtet und erzogen, wie vor 45.
Nur ganz wenige Ausnahmen gab es, nämlich solche, die sich während der gesamten Zeit vor 45 von diesem menschenfeindlichen Regime nicht haben begeistern lassen.
Dazu kommt noch, dass auch bereits vor 33 eine ziemlich menschenfeindliche Erziezhung gab, nämlich einmal, dass Frauen minderwertig sind, dass Arbeiterkinder kein Recht auf Bildung haben und Behinderte nicht für die Öffentlichkeit sichtbar, auf die Strasse gehörten. Dazu kam der Obrigkeitsgehorsam, der jedes individuelle Denken verbot, und jedem Akademiker in den höchsten Stand über andere Menschen erhob. Letzteres führt bis heute dazu, dass Personen, denen es zu lästig ist, akademische Prüfungen zu absolvieren, diese einfach käuflich erwerben: wo Nachfrage, da Angebot!
Dies haben wir bis in die 60er Jahre mit reingeschleppt, als Erziehungslast, somit als Haltung gegenüber Menschen über einen und unter einem.
Erst mit den 68ern wurde das langsam besser. Der Muff und akademische Verderbtheit wurden entstaubt.
Leider hat man mit der Abschaffung gepflegter traditioneller Äusserlichkeiten vergessen, auch die traditionellen Innerlichkeiten gleich mit zu säubern.
Erst durfte man nicht über die Nazizeit sprechen. Noch in den 60er Jahren gab es keinen Geschichtsunterricht, der die Nazizeit (theoretisch) aufarbeitete. Dann, als man lernte darüber zu “sprechen”, eigentlich war es erst ein ‘ansehen’, initiiert durch Ausstellungen, kamen die Zentralräte der Juden und stoppten von Ihrer Seite jede Äusserung über Judenvernichtung.
Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ist nötig. Aber nicht mit der Wahl des Bundespräsidenten, denn wie ich im vorigen Beitrag schon anmahnte, es geht bei dieser Wahl um die Zukunft, um das Fortbestehen der sozialen Marktwirtschaft. Das betrifft unsere Kinder und folgende Generationen.
Unsere Verfassung kann niemand so leicht ummodeln. Aber die soziale Marktwirtschaft, welche zwar auch in der Verfassung erwähnt wird, steht unter dem Erpressungsdruck ganz anderer Mächtekaliber. Da hat die Regierung, wie man nachvollziehen kann, keinen Einfluss darauf, sie ist nur eine Marionetten-Truppe, mit der Verpflichtung, Scherben zu beseitigen, aber ohne Recht eines Schadenersatzes.
Deshalb sehe ich es für dringend wichtig an, dass wir einen stabilen Bundspräsidenten bekommen, der mächtigen Einzelinteressen bzw. kleinen Interessengruppen Paroli bietet.
Die Verweigerung Köhler’s, das Verbraucherschutzgesetz zu unterzeichnen, das hat dem Volk geschadet, zugunsten der Interessen derer, die die Macht haben, Marktwettbewerb zu manipulieren.
Letztendlich hängt unsere Freiheit auch von unserem gesunden Marktwettbewerb ab. Ist nicht die DDR daran gescheitert, weil sie einen Zwangs-Planwirtschaftsmarkt hatte, an den die Bevölkerung gefesselt wurde?
Die Freiheit der FDP-Liberalen, das ist Freiheit für diejenigen, die Arbeit haben, der Rest darf sich in Alkohol ersäufen oder Drogen betäuben, wie in Amerika.
Die soziale Marktwirtschaft ist ein gedachtes Band unter den Menschen in der Bevölkerung. Es lässt auch den noch frei sein, der gerade keine Arbeit hat oder nicht arbeiten kann, aus welchem Grund auch immer.
Menschen zur Arbeit zu “motivieren”, in dem man sie auf eine Schiene der Verachtung stellt, nach dem Motto, wenn du nicht arbeitest, dann hast du kein Menschrecht/-achtung verdient, das ist asozial. Erst den Menschen die Arbeitsplätze reduzieren, dann auffordern, ihr könnt ja jederzeit für einen geringen Hungerlohn arbeiten, jeder findet Arbeit, wenn er nur wolle, und für die Miete, Heizung und Strom kommt der Staat auf, wenn der Verenlendungslohn nicht reicht. Was für eine Perversität!
Wir dürfen es nicht zulassen, dass jeder, der nicht arbeitet, sich ausweisen muss vor seinen Mitmenschen , mit Armbinde, warum er nicht arbeitet, um sich vor Feindlichkeiten, Hetzreden von Westerwelle: derjenige der morgens liegen bleibt…, zu schützen.
PS: Mir ist im Beitrag zuvor mit meinem Nickname ein Fehler unterlaufen, richtig ist: sodalis = kameradschaftlich.
15.06.10 - 10:33
70. dreas
@ maat
Man muss allerdings nicht Parteigänger der Linken sein, um dem Begriff “Unrechtsstaat” und seiner Verwendung in politischen Diskussionen distanziert gegenüberzustehen. Der Begriff suggeriert Eindeutigkeit, wo keine ist. Ist “Unrecht” die Abwesenheit von “Recht”, also Willkür? Oder ist es die Brechung von Recht? Oder eine formale Rechtsetzung, die jeglichem anerkannten Rechtsverständnis und/oder Rechtsempfinden widerspricht? In der Tat halte ich es für sinnvoller, sich darauf zu verständigen, was einen “Rechtsstaat” positiv ausmacht (hier insbesondere die Einklagbarkeit des Rechts gegenüber der Staatsmacht in Verbindung mit einem Rechtssystem, das mindestens eine faire Abwägung von Rechtsgütern vorsieht), um dann zu prüfen, wie weit ein Staat oder ein System diesen Kriterien entspricht.
@ 49. Werner Thiele-Schlesier
Das ist ja gerade einer der Punkte, die mich (und sicherlich auch andere) an der Linken zweifeln lassen, Was will man denn aus der Schmuddelecke heraus bewirken? Linke Politikvorstellungen umzusetzen ist achwer, weil dies insgesamt ein höheres Maß an Einsicht und Solidarität von “den Regierten” erfordert als eine Politik, die sich auf autoritärer Strukturen stützt. Das ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach eine der großen Herausforderungen an die Linke. Wie kann man nachhaltig fortschrittliche Politik in einer einigermaßen bürgerlich geprägten Gesellschaft betreiben? Doch sicherlich nicht dadurch, dass man sich selber die Richtigkeit seiner Weltsicht bestätigt und ansonsten darauf wartet, dass “die Anderen” das irgendwann auch mal einsehen.
15.06.10 - 12:41
71. ostzoner
Herr Gauck hat sich heute im Spiegel-Online “Interview” zum Krieg in Afghanistan bekannt und “warnt vor Rot-Rot-Grün”.
Nur er verwechselt, dass in Afghanistan die ausländischen Besatzer die Bevölkerung terrorisieren und das Land wegen den Bodenschätzen und der geopolitischen Lage besetzt haben.
Das Abschlachten von Frauen und Kindern durch die Besatzer ist straffrei, nicht nur in Kunduz.
Mich interessiert an der Legende von Herrn Gauck, welche Kriegsverbrechen seinem Vater vorgeworfen wurden.
Ich bin der Überzeugung, wer Gauck wählt, wählt Krieg.
15.06.10 - 14:08
72. D.Linke
@ #64 maat und #65 Stephan Hebel
Ganz so einfach macht es sich nicht einmal der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages:
Wissenschaftliche Definition des Begriffs “Unrechtsstaats”, erstellt vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages
Eine wissenschaftlich haltbare Definition des Begriffs “Unrechtsstaat” gibt es weder in der Rechtswissenschaft noch in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Gleichwohl . wird in politischen Diskussionen oft das Gegensatzpaar “Rechtsstaat – Unrechtsstaat” verwendet. Dabei geht es zumeist darum, die politische Ordnung eines Staates, der als Unrechtsstaat gebrandmarkt wird, von einem rechtsstaatlich strukturierten System abzugrenzen und moralisch zu diskreditieren.
…
Angesichts der Schwierigkeiten, den Begriff des Rechtsstaats allgemeingültig zu definieren, verwundet es nicht, dass es auch keine haltbaren Definitionen des Begriffs “Unrechtsstaat” gibt. In der Regel wird er zur Charakterisierung von Systemen verwendet, die wesentliche Prinzipien des Rechtsstaats nicht verwirklichen. Die Frage, welche Prinzipien in welchem Umfang in einer realen politischen Ordnung konkret verwirklicht sein müssen, um diese als Rechtsstaat bzw. Unrechtsstaat zu bezeichnen, dürfte in Wissenschaft und Politik je nach Standpunkt höchst unterschiedlich beantwortet werden.
Vollständig unter:
http://www.gesine-loetzsch.de/politik/reden/detail/zurueck/fragen-an-die-bundesregierung/artikel/was-ist-ein-unrechtsstaat/
15.06.10 - 20:33
73. D.Linke
#### Fortsetzung (1) #### D.Linke 15.06.10 – 20:33
s. außerdem:
Ludwig Elm
Geschichtsaufarbeitung, Extremismus und Diktaturenvergleich
in: http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/elm.pdf
15.06.10 - 20:36
74. D.Linke
#### Fortsetzung (2) #### D.Linke 15.06.10 – 20:33
sowie:
Nationaler Sozialismus? Volksstaat?
- Anmerkungen zu Götz Aly
von: Manfred Weißbecker in Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung
Quelle: http://www.linksnet.de/de/artikel/19266
15.06.10 - 20:37
75. Manfred
Ich frage mich, wie es kommen kann, dass so viele Deutsche für Joachim Gauck schwärmen. Gauck, Leute, sagt Euch dieser Name gar nichts mehr? Es gibt eine Behörde, die seinerzeit, als er diese Behörde leitete, als “Gauck-Behörde” seinen Namen trug. Wisst Ihr nicht mehr, in welchem Zusammenhang diese Behörde tätig war? Hat denn niemand mehr eine Erinnerung daran, wie diese Behörde arbeitete? Seit dieser Zeit ist doch Joachim Gauck die Personifizierung des Begriffs Amtsmissbrauch! Habt Ihr das vergessen? Ist es Euch entfallen? Habt Ihr es verdrängt? Wer sich aufgrund seines offenkundigen Mangels an Urteilsvermögen über Joachim Gauck ein Urteil über die LINKE ausnimmt, macht sich – mit Verlaub – nur lächerlich.
15.06.10 - 21:52
76. ostzoner
Herr Gauck hat offensichtlich in der DDR, wie die Made im Speck gelebt.
Ich habe in der DDR hart gearbeitet (3-Schichten, schwere körperliche Arbeit etc.) und war weder offizieller noch inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit.
Ich schätze Herrn Gauck als eine charakterarme Person ein, weil:
Er hat die reinsten Privilegien genossen
(Studium, privater Autoimport in Absprache mit dem Ministerium für Staatssicherheit, freie Reisen ins kapitalistische Ausland, Kinder durften ausreisen und wieder einreisen etc.).
Mir ist auch nicht bekannt, dass Herr Gauck irgendetwas für eine rechtliche oder soziale Gleichstellung getan hat.
Wasser predigen und Wein saufen, das ist ein Wesenszug von Herrn Gauck.
16.06.10 - 05:40
77. sodalis
@(75) Manfred,
Ihr Beitrag erinnert mich stark an das Stück aus dem Ohnsorgtheater: “Tratsch im Treppenhaus”
Unfähige, ungebildete Person und gleichzeitig unterforderter, gelangweilter Hausdrachen, versucht sich durch Intrigen in der Hausgemeinschaft wichtig zu machen, und alle gegen jeden aufzuhetzen.
Auch auf den Schulhöfen geht es so zu: Minderjährige, überwiegend bildungsunfähige, aber mit gesteigertem Geltungsbedürfnis behaftete Rädelsführer versammeln um sich diejenigen Mitschüler, denen das Befehlsempfängerdasein auf Grund ihrer Minderwertigkeitsgefühle eher liegt, als ein selbstbewusster mutiger Verzicht auf Mitläufertum.
Mit stimulierenden Behauptungen werden diese Befehlsgehorsamen angestachelt, die Drecksarbeit zu tun, zu denen der Rädelsführer selbst zu feige ist.
Oder liegen Beweise vor, zu den Behauptungen über ‘Amtsmissbrauch’?
Wenn ja, dann wären die uns ja alle bekannt.
Was die Privilegien betrifft:
Auch ein Hitlerattentäter (v.Hardenberg) hatte Privilegien, sonst hätte er z.B. nicht so nahe an den Führer rankommen können.
Es kommt immer darauf an, was man mit seinen Privilegien anstellt, zum Nutzen des Volkes (Schaden abwenden) oder zum Nutzen der Unterdrücker des Volkes, so wie die Lobbyisten, und damit ausschliesslich zum persönlichen Nutzen.
16.06.10 - 09:47
78. maat
Allen, die sich so sehr dafür einsetzen, dass der Begriff “Unrechtsstaat” für die Beschreibung der DDR unangemessen sei, möchte ich gerne zwei Fragen stellen, die bisher noch nicht beantwortet wurden:
1. Worum geht es Ihnen, was ist das Ziel Ihrer Äußerungen?
2. Welches Recht hat in der DDR gegolten, auf das es Ihnen so sehr ankommt?
16.06.10 - 11:02
79. D.LINKE
78. maat
ad 1)
Es waren Sie, die mit Werner Thiele-Schlesier einen Diskussion über den Begriff anstrengte, um gleich zu sagen, die Unterscheidung Rechtsstaat-Unrechtsstaat sei Wortklauberei. Ihre “Defintion” die sie mit Welsch zu geben versuchten, krankt schon daran, dass sie die Unterscheidung von Staat und Gesellschaft, die sie für die BRD (das dort herrschende Unrecht) gelten läßt, für die DDR nicht gelten läßt, dafür aber ein ganzes (Staats)Volk im Namen einer von Welsch falsch verstandenen von ihm sogenannten Ideologie, dem Marxismus-Leninismus, zum Verlierer und Gefangenen macht.
Wenn ein Linker den Begriff Unrechtsstaat im Hinblick auf die DDR diskutiert, dann leugent er nicht das objektiv dort geschehene Unrecht, wohl aber die Vernichtung der Lebenswirklichkeit von zuletzt rund 20 Millionen Menschen, deren Geschichte, die etwas komplexer sind, als die westdeutschen Klischees über den Ostzonenkommunismus es seit Adenauer und dem “Wirtschaftswunder” glauben machen wollen.
Sie, Maat, müssten zunächst einmal das Interesse an der Führung einer Debatte “die DDR war ein Unrechtsstaat” in der aktuell geführten Form begreifen – hier selbst darstellen -, bevor Sie die These nur behauptend in den Raum stellen. Ich weiß, das Sie diese selbst gar nicht führen wollen. Allerdings bleiben Sie dafür offengelegte Gründe schuldig und hängen sich doch gleichzeitig an diese an, besonders, wenn Sie Gauck als BP verteidigen.
ad 2)
In der DDR galten Verfassung und Gesetz der DDR.
Meinem laienhaften Wissen zufolge unterscheiden sich die Gesezestexte nicht sehr von denen der BRD. Vergesellschaftung der Produktionsmittel wäre auch nach dem GG möglich (Eigentum verpflichtet). Dass das Kaderprinzip tendenziell Hemmnisse für demokratische Prozesse hat, will ich nicht leugnen, aber hierzulande ist auch das repräsentative Moment unserer Verfassungsordnung in seiner Ausgestaltung hier nicht immer beflügelnd.
16.06.10 - 12:32
80. maat
@ D.LINKE
“Wenn ein Linker den Begriff Unrechtsstaat im Hinblick auf die DDR diskutiert, dann leugent er nicht das objektiv dort geschehene Unrecht”
Dafür hätte ich gerne Belege!
16.06.10 - 16:35
81. maat
@D. Linke
1. Wie sah die „ Lebenswirklichkeit von zuletzt rund 20 Millionen Menschen“ Ihrer Meinung nach aus?
2. Meinen Sie, dass ein Mensch in der DDR, der, weil er seine Meinung gesagt hatte, im Gefängnis saß oder ein anderer, der daran gehindert wurde, zu studieren, weil der Onkel in den Westen abgehauen ist oder weil die Eltern Intellektuelle waren, mit Ihnen darin übereinstimmt, dass die DDR kein Unrechtsstaat gewesen ist? Wie würden Sie die Lebenswirklichkeit dieser Leute beschreiben?
3. Inwiefern soll oder kann diese Lebenswirklichkeit vom „dort geschehenen Unrecht“ unabhängig diskutiert werden?
4. Halten Sie „das dort geschehene Unrecht“ für nebensächlich?
5. Wie sehen die westdeutschen Klischees über den Ostzonenkommunismus aus?
6. Warum soll ich Ihnen glauben, dass Sie darüber besser Bescheid wissen? – Haben Sie in der DDR gelebt?
7. Falls Sie dort gelebt hatten, wie sah Ihre Lebenswirklichkeit aus?
16.06.10 - 16:51
82. maat
Eine letzte Frage:
Würden Sie dem letzen Satz von Welsch zustimmen, wenn er das Wort „Unrechtsstaat“ durch „Staat“ ersetzt hätte?:
„Niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, trauert dem Unrechtsstaat ‚DDR’ ernsthaft nach. Er war eine perfide, menschenverachtende Diktatur“
Ich bin gespannt auf Ihre Antworten
maat
16.06.10 - 17:09
83. Manfred
Liebe/r SODALIS (77)!
Danke für den ehrenden Hinweis auf meine Ohnsorg-Reife!
Allerdings habe ich nicht vor, irgendwas zu beweisen. Mein Anliegen ist ja gerade, dass sich einfach jeder selbst erinnern möge. Die Verfehlungen des Joachim Gauck als Verantwortlicher der gleichnamigen Behörde in seinem ahistorischen Umgang mit den StaSi-Akten waren seinerzeit praktisch TAG FÜR TAG in den Medien! Irgend etwas wird doch wohl hängengeblieben sein von den Affären im Zusammenhang mit Helmut Kohl, Katharina Witt, Gregor Gysi, um nur ein paar wenige Namen zu nennen. Oder habt Ihr etwa alle ein so löchriges Gedächtnis?
16.06.10 - 17:35
84. D.Linke
82. maat
Lesen Sie bitte beispielhaft
Keine Verleugnung des DDR-Unrechts
von Bodo Ramelow
http://www.bodo-ramelow.de/arbeit/keine_verleugnung_des_ddr_unrechts/
16.06.10 - 21:08
85. Werner Thiele-Schlesier
@ Maat
Warum verhunzen Sie meinen Namenn? Es kann ja nicht daran gelegen haben, dass Sie sich vertippt haben. Die Buchstaben “N” un “G”liegen weit von den daneben liegenden entfernt, so dass ein Vertipper nicht infrage kommt.
Hier nun der Textauszug eines Kommentars aus dem Freitag:
Im April 1945 wurden in der Nähe von Gardelegen (Sachsen-Anhalt) von den NSDAP-Aktivisten Walter Biermann und Arno Brake gemeinsam mit weiteren Tätern über 1000 KZ-Häftlinge ermordet. Sie stammten aus den KZs Hannover -Stöcken und Mittelbau Dora.
Nach dem Einmarsch der US-Truppen floh der Haupttäter, NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele, in die Bundesrepublik, wo er unter falschem Namen lebte. Erst nach seinem Tod gelang es einem Kriminalbeamten, Thieles Identität aufzudecken.
Walter Biermann und Arno Brake wurden im sächsischen Torgau zum Tode verurteilt, das Urteil wurde vollstreckt und sie sind anonym beerdigt worden.
Sie gehören zu jenen “Opfern”, die Joachim Gauck im Jahre 2004 in einer Gedenkveranstaltung würdigte. Nachdem Anfang der neunziger Jahre in Torgau eine Gedenkstätte für die Opfer der Nazi-Militärjustiz geschaffen wurde, entstand eine Gedenkstätte auch für die nach 1945 eingesessenen Nazis, von denen eine Reihe wegen ihrer Verbrechen zum Tode verurteilt worden war. Das folgte der Logik des außerhalb Sachsens allgemein abgelehnten sächsischen Gedenkstättengesetzes und der Faschismus und Kommunismus gleichmachenden “Totalitarismustheorie”. Er wurde eine Ausstellung für die Täter geschaffen, während die Ausstellung über die Opfer eingeschränkt wurde.
Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, Ludwig Baumann, schrieb aus diesem Anlass an Joachim Gauck, den vorgesehenen Redner für die Eröffnung. “Diese Ausstellung ist für unsere Opfer eine Beleidigung,
Gauck ließ es sich jedoch nicht nehmen, dabei mitzuwirken, aus der Gedenkstätte für die Opfer der Wehrmachtsjustiz in Torgau eine Gedenkstätte auch für die NS-Täter zu machen. Er ehrte also damit auch Täter, die an Massenverbrechen kurz vor Kriegsende beteiligt waren, an sog. Kriegsendphasenmorden. An Untaten, die dem Massaker der Gestapo kurz vor Kriegsende in der Dortmunder Bittermark und im Rombergpark vergleichbar waren, so die Kritik der VVN/BdA Nordrhein-Westfalen.
16.06.10 - 21:18
86. D.Linke
@Maat 16.06.10 – 16:51
Viele Fragen:
1. Wie sah die „ Lebenswirklichkeit von zuletzt rund 20 Millionen Menschen“ Ihrer Meinung nach aus?
Erwarten Sie da eine Antwort in zwei oder auch 80 Zeilen?
Die Menschen lebten unter zu guten Teilen diktatorischen Verhältnissen. Wollen Sie sie dafür als demokratieunfähig haftbar machen, nur weil Das projekt Sozialismus noch nicht aufgegeben worden ist? Unser GG läßt das offen, genauer zu.
2. Meinen Sie, dass ein Mensch in der DDR, der, weil er seine Meinung gesagt hatte, im Gefängnis saß oder ein anderer, der daran gehindert wurde, zu studieren, weil der Onkel in den Westen abgehauen ist oder weil die Eltern Intellektuelle waren, mit Ihnen darin übereinstimmt, dass die DDR kein Unrechtsstaat gewesen ist?
s. meinen Post vom 16.06.10 – 21:08
Wie würden Sie die Lebenswirklichkeit dieser Leute beschreiben?
s. meinen Antwort auf Ihre Frage 1
3. Inwiefern soll oder kann diese Lebenswirklichkeit vom „dort geschehenen Unrecht“ unabhängig diskutiert werden?
Hätten diese Menschen etwa alle Selbstmord begehen sollen, bloß weil sie in einer Diktatur lebten. Viele versuchten einen Sozialismus mit menschlichem Antltz aufzubauen, trotz der “Verhältnisse” – Am Ende haben diese Menschen mehrheitlich diese Diktatur selbst beendet. Sollen Sie jetzt noch dafür bestraft werden, indem sie ewig als demokratieunfähig eingestuft werden, weil das Projekt des in der DDR aus spezifischen historischen Gründen gescheiterten Sozialismusversuchs gescheitert sind?
Menschen ihre Geschichte nehmen, indem sie als total gescheitert erklärt wird, heißt ihnen die (politische) Identität nehmen. Die Widervereinigung war kein gemeinsamer “neuer Anfang”, sondern ein Anschluß des “Verlierers” an den “Sieger”. Das konnte nicht gerecht sein. – Sie sehen: Unrecht auch hier!
4. Halten Sie „das dort geschehene Unrecht“ für nebensächlich?
Verzeihen Sie, aber diese Frage ist nur demagogisch, mindestens polemisch.
5. Wie sehen die westdeutschen Klischees über den Ostzonenkommunismus aus?
Ihnen das hier darzustellen sprengte den Rahmen des Blogs. Aber wenn sie sich einmal einschlägige Literatur aus den Veröffentlichungen des Geamtdeutschen Ministeriums, oder Dokumentationen über die Kommunistenverfolgung in z.B. NRW nach dem Verbot der KPD 1956 beschaffen, dann werden Sie sich ein Bild machen können, hoffe ich
Wollte man es zugespitzt formulieren, so konnte die BRD-Nachkriegspolitik der 50ger Jahre nicht wirklich erklären, warum es von den Nazis falsch gewesen wäre, die Kommunisten zu verfolgen, hätten sie nur nicht “diese Mittel” angewandt.
6. Warum soll ich Ihnen glauben, dass Sie darüber besser Bescheid wissen? – Haben Sie in der DDR gelebt?
Besser bescheid Wissen? Besser als Sie?
7. Falls Sie dort gelebt hatten, wie sah Ihre Lebenswirklichkeit aus?
Haben Sie dort gelebt, dass Sie so sicher sein können, dass sie daher durch die Linkspartei propagierte sozialistische Politik im Jahre 2010 in der BRD ablehnen müssen?
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Ganz vorsichtig gefragt: Wo sind Ihre Antworten?
16.06.10 - 21:46
87. Werner Thiele-Schlesier
@ 70. dreas
Bei uns im Büro der Linken gabs eine Karikatur von BP Köhler aus dem Eulenspiegel. Nach dem Rücktritt wurde dieser Karikatur folgene Spruchblase hinzugefügt: ” … einmal die Wahrheit gesagt … und schwupps ist man sein Job los!”
Daraufhin gab es Kritik aus der Partei an diesem Plakat, welches ins Schaufenster gehängt wurde. Daerüber rege ich mich auf. Das ist eine Einschränkung der Freiheit der Kunst, die icch so nicht hinzunehmen bereit bin. Da mögen mich viele jetzt einen Dogmatiker schimpfen, aber die kritiker sind die Gleichen, die als Kommunalpolitiker einer Wählergemeinschaftüberlegen sich nicht trauen, für die Linke anzutreten. Das ist für miich ein Kriterium, was mich, wenn sich diese Mitglieder nicht eindeutig äußern, zum Austritt aus dem Kreisverband zwingen würden. Ich würde dann eben dem Nachbarkreisverband beitreten. Aber das werde ich in der Mitgliederversammlung klären.
Ich halte die ganze Taktik der sPD schädlich für eine Demokratie. Weder Herr Wulff noch Herr Gauck halte ich für unabhängig. Ich halte nämlichts von der Alternative im Regen oder in der Traufe zu stehen.
16.06.10 - 21:51
88. sodalis
@(83) Manfred;
“Mein Anliegen ist ja gerade, dass sich einfach jeder selbst erinnern möge.”
Als rhetorische Fragen ist das schon gut, dennoch, wie könnte sich die Mehrheit des vereinten Volkes an Machenschaften in der ehemaligen DDR erinnern, wenn sie da garnicht lebten und betroffen waren?
Auf was bezieht sich “Unrecht”?
Sind es unrechte Gesetze?, unrechte Verfassung?
Oder sind es Gesetze, die unrichtig angewandt wurden, zum Unrecht für den Einzelnen?
Letzteres ist auch bei der derzeitigen BRD der Fall.
Bei uns gibt es kein Recht des Einzelnen, sondern nur ein Kollektivrecht. Rechte für jeden Bürger steht zwar in der Verfassung, aber durchsetzen kann kein Einzelner mehr sein Recht. Solches geht nur noch, wenn das Kollektiv, und dabei nur das ökonomisch interessierte Kollektiv, interessiert ist.
Hier, wie in der ehemaligen DDR, bestimmen Interessengemeinschaften was Recht ist. Das kann dann gleichzeitig Unrecht für andere sein, aber wen interessiert das, wenn diese anderen keiner Interessengemeinschaft angehören? Und dann kommt es auf Augenhöhe an, auf der sich die Interessengemeinschaften begegnen.
Das Fördern von Interessengemeinschaften per Gesetzesbücher, Prozessordnungen, welche von Interessengruppen willkürlich beschlossene Regelungen für Gesetzesanwendung sind, nützlich zum Aushebeln unsere Verfassungsgesetze, das sind die Werkzeuge zum Unrecht schaffen. Merken tun es nur diejenigen, die direkt davon betroffen sind.
So wird es in der DDR auch gewesen sein, die einen sehen deshalb die DDR als Unrechtsstaat, andere verstehen diesen Vorwurf garnicht.
Verstehen kann man aber das nur, wenn man konkrete Beweise vorgelegt bekommt.
Nach 45 haben dieselben Interessengruppen von vor 45 Arier-Forscher u.a. in der BRD in gleich hohe Ämter eingesetzt, wo diese weiter Jahrzehnte ihr Denkunwesen betreiben konnten.
Es ist gut, dass versucht wird, ähnliche Übertragung von der DDR in die BRD zu verhindern. Aber es sollte konkret nachvollziehbar sein, und sich nicht wie blosses Hetzen anhören. Mit Nachvollziehbarkeit kann man viele Menschen, (Kenntnislose wie mich), aufhorchen lassen, aber nicht mit wagen Behauptungen.
17.06.10 - 09:00
89. Werner Thiele-Schlesier
Noch ein weiterer Aspekt bei dieser Bundespräsidentenwahl: Dass Merkel mit keinem der beiden aussichtsreichsten Kandidaten Probleme haben wird, ist wohl unstrittig. Sollte nun aber Gauck gewählt werden, so meinen viele, würde das die Koalition in Schwierigkeiten bringen. Gehen wir doch mal die Möglichkeiten durch, wenn Gauck BP wird: a) Frau Merkel bleibt Kanzlerin, ohne dass sich was innerhalb der Koalition ändert. b) Es gibt Streit in der Koalition wobei Frau Merkel die Vertrauensfrage stellt und diese verliert, worauf es Neuwahlen gibt. c) Es gibt Streit innerhalb der eigenen Partei von Frau Merkel und plötzlich haben wir einen Kanzler namens Koch.
zu a) Das ist die wahrscheinlichste Variante. Z.Zt. haben beide Koalitionsparteien keine andere Wahl als diese Durststrecke (aus ihrer Sicht) durchzustehen.
zu b) Unwahrscheinlich weil die Koalitionäre sich leicht ausrechnen können, wie eine Neuwahl des Bundestages für sie ausgeht.
Zu c) Bei Streitigkeiten innerhalb der Union wird es dazu kommen, dass die Kanzlerin von ihren eigenen Leuten fallen gelassen wird wie eine heiße Kartoffel. Das führt dann aber nicht zu Neuwahlen sondern zu einem anderen Kanzler. Dazu brauchts auch nicht das Mißtrauensvotum. Es ist leicht auszurechnen, dass dann der Kanzler Koch heißen wird.
Und das wollen die Befürworter Gaucks?
Ich frag ja nur!
17.06.10 - 13:09
90. maat
Ich möchte mich zuerst mal bei D.Linke und Werner Thiele-Schlesier bedanken für die Antworten. Ich werde so bald ich kann darauf eingehen.
@Werner Thiele-Schlesier
Entschuldigen Sie bitte- ich habe mir Ihren Namen einfach irgendwann mal falsch gemerkt wegen eines ähnlichen Namens in meinem Umfeld. Wenn ich Ihren Namen aus der Erinnerung eingetippt habe, war er entsprechend falsch, wenn ich ihn aus Ihrem Kommentar reinkopiert habe, war er natürlich richtig. War wirklich keine Absicht! Sie hätten mich gerne früher auf den Fehler aufmerksam machen dürfen! Ich schreibe die Namen anderer Leute nicht aus Begeisterung falsch.
17.06.10 - 14:41
91. Werner Thiele-Schlesier
@ Maat
Ich habe ganz dezent Ihre, Namen ein “n” hinzugefügt. Mein erster Blick bei einem Fehler gilt der Anordnung der falschen Buchstaben auf der Tastatur.
Nach lage der Dinge, wie sie jetzt stehen, ist die kanzlerin in schwierigem Fahrwasser. Eine variante habe ich oben leider noch nicht bedacht: Die Kanzlerin könnte die Koalition aufkündigen, um sich einen anderen Partner auszusuchen. Da braucht mensch nicht lange zu suchen, wer das sein könnte.
21.06.10 - 08:50
92. ostzoner
Sehr geeehrter Herr Hebel,
die Linke hat es Herrn Gauck gezeigt.
Danke, allen Vertretern der Linkspartei.
01.07.10 - 05:24
93. Bernd Oehler
@ Ostzoner: Blödsinn. Die Linke hat nichts gezeigt außer Konsistenz. Gabriels Schmierentheatertrick, Schwarz-Gelb und die Linke zugleich vorführen zu wollen ist gescheitert.
01.07.10 - 12:02
94. D.Linke
Oh, die Linkspartei hat “es” dem Herrn Gauck schon gezeigt, nämlich, dass sie Ihn tatsächlich nicht wählen würde, ganau wie übrigens Herrn Wulff nicht .
Man sollte allerdings hier im Blog darauf hinweisen, dass Herr Hebel darüber gar nicht glücklich ist:
Sein Leitartikel
“Unbedingt wählbar”
Erscheinungsdatum 21.06.2010 | FR Ausgabe: d
Sein Leitartikel
“Im besten Sinne bürgerlich”
Erscheinungsdatum 19.06.2010 | FR Ausgabe: d
03.07.10 - 18:41